Wortwörtlich: Mündlichkeit. Alles was gesprochen oder gesungen wird. Hauptsächlich ein historisch – wissenschaftlicher Begriff in Zusammenhang mit allen Formen mündlicher Überlieferung. HistorikerInnen verwenden heute eher den englischen Begriff oral history. Diese mündlich tradierten Formen von Geschichte, Religion oder Gesetzen passierten oft in Form von Märchen, Sagen, Liedern, Gedichten oder Gebeten. Verbreitet waren (und sind) diese mündlichen Überlieferungen natürlich in Gesellschaften ohne oder mit nur wenig Schriftlichkeit. Erst durch die Niederschrift gesellschaftlich wichtiger Texte und damit die Archivierbarkeit und unveränderliche Gültigkeit der Texte verliert die Oralität an Bedeutung. Naturvölker ohne Schrift tradieren ihre Mythen und Gesetze noch heute durch mündliche Überlieferung. Ein großer Vor- und Nachteil der Oralität ist ihre Veränderung im Laufe der Zeit. So können sich Geschichten von Generation zu Generation verändern, ausgebaut werden oder an gesellschaftliche Veränderungen angepasst werden.
Die moderne Oral History bewertet Interviews mit Zeitzeugen als Historische Quelle. Es handelt sich hierbei um eine Hilfswissenschaft, als Ergänzung zur offiziellen Geschichtsschreibung. Sie dient vor allem als Quelle für Alltagsgeschichte oder die subjektive Wahrnehmung historischer Prozesse und Ereignisse.