Öffentlichkeit-en

Öffentlichkeit-en bezeichnet im weitesten Sinne die Gesamtheit aller Umstände, die für die Bildung der öffentlichen Meinung von Bedeutung sind. Sozialwissenschaftliche Diskurstheorien verstehen darunter die Gesamtheit der potentiell an einem Geschehen teilnehmenden Personen. Im antiken Griechenland waren nach Hannah Arendt nur dem freien Bürger die Teilnahme an der Öffentlichkeit der Polis auf der Agora vorbehalten. Der freie Bürger, der die Lebensnotwendigkeiten des privaten Haushalts (Oikos) überwunden hat. Dieser Logik folgend ist ein arbeitender Mensch nicht frei, da er noch mit Lebensnotwendigkeiten beschäftig ist, welche dieser Freiheit berauben. Freiheit wird hier also nicht als Freiheit des Handelns im Sinne eines nicht vorhandenen Determinismus / Muss verstanden, sondern als ein Hintersichlassen der privaten Angelegenheiten. In Demokratien sind BürgerInnen durchaus arbeitende und mit Privatangelegenheiten konfrontierte Menschen. Fast alle dürfen das politische Leben der Gesellschaft mitbestimmen. Am auffälligsten beim Wahlrecht. Öffentlichkeit-en in Gestalt der öffentlichen Meinung-en spielen in demokratischen Gesellschaften daher eine wichtige Rolle, denn in ihr finden die (politischen) Meinungsbildung-en statt. Presse, Rundfunk und Internet sind wichtige Teile und Spiegel die Öffentlichkeit-en. In diesem Zusammenhang sind öffentliche Güter wichtig, die Öffentlichkeit-en überhaupt erst möglich machen. Gleichzeitig kommt nach Ansicht von Kritiker(inne)n den Öffentlichkeit-en jedoch auch eine wichtige Funktion bei der Herstellung (problematischer) Geschlechteridentitäten zu. Die Trennung bürgerlicher Gesellschaften (18. Jhdt) in private und öffentliche Räume geht demnach mit geschlechtsspezifischen Zuschreibungen einher, die Frauen den privaten und Männern den öffentlichen Raum zuweisen, so dass es oftmals zu einem Ausschluss von Frauen aus Prozessen der öffentlichen Meinungsbildung komme. In modernen Mediengesellschaften mit diesen Hierarchien führt die öffentliche Kommunikation zur Etablierung von Geschlechterhierarchien, die mit Mechanismen des Ein- und Ausschlusses einhergingen. In sich immer wiederholenden Kreisen, die jedoch performativ verändert werden können. (andere öffentliche(offizielle) Handlung – andere öffentliche Wirkung – andere öffentliche Bedeutung)

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Öffentlichkeiten

Ausgehend vom Begriff der ‘publicité’, der im 18. Jahrhundert in Frankreich geprägt wurde und die freie und ungehinderte Kommunikation im Öffentlichen Raum bezeichnet, kann Öffentlichkeit als eine Grundsäule der Demokratie betrachtet werden. Öffentlichkeiten entstehen durch Zugang zu Öffentlichem Raum sowie repräsentative Darstellung innerhalb dieser Räume. Auch der private Handlungsraum kann als öffentliches Experimentierfeld angesehen werden kann. Tatsächlich gibt es kaum repräsentative Öffentlichkeiten, sondern eine Öffentlichkeit der Mehrheit, die Teilöffentlichkeiten generiert und Öffentliche Räume teilweise verschlossen hält. Durch Freie Radios oder Bürger-Journalismus sind Gegenöffentlichkeiten als eine Möglichkeit der Intervention entstanden, denen besonders durch das Internet eine Plattform zur Vernetzung geboten wird.
Gegenöffentlichkeit ist jedoch nicht nur eine Frage medialer Präsentationsform, sondern auch eine kulturelle Praxisform mit der Konsequenz, die Regeln der herrschenden Öffentlichkeit zu brechen.

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Öffentlichkeit

Öffentlichkeit bezeichnet etwa im Griechenland des Aristoteles die Agora, den öffentlich zugänglichen Platz, an dem die Dinge betreffend der Polis, der Stadt (Stadtstaat), der Gemeinschaft der Freien Bürger – Frauen galten bestenfalls als Freie minderen Ranges und waren an der Beratung der Dinge der Polis ausgeschlossen – beraten und verhandelt wurden. Auf der Agora, bestimmten die Freien einen aus ihrer Mitte, der mit der Führung der öffentlichen Geschäfte betraut wurde, ein „Erster unter Gleichen“1
Frei waren aber nur all jene, die frei davon waren sich um den Haushalt, den Oikos, also die Hauswirtschaft, also ums materielle Überleben kümmer zu müssen. Das bedeutete auch, das Delegieren der Verwaltung etwa der Landgüter und des Haushaltes an andere.
Öffentlichkeit <> Haushalt (oikos) waren getrennte unterschiedliche Bereiche. Die Dinge der Öffentlichkeit, die Agenden der Polis hörten im Haushalt auf Wirksamkeit zu haben. Im Haushalt, waren die Besitzer die uneingeschränkten Herrschenden, über die SklavInnen und Arbeitenden. Der Dualismus Öffentlichkeit / Haushalt, zieht sich durch die Rechtsgeschichte bis in die Moderne.

Aber der Begriff Öffentlichkeit hat sich im laufe der Zeit gewandelt.
Schon das römische Forum ist eine andere Öffentlichkeit, als die Griechische Agora, die Reichweite der öffentlichen Dinge, Entscheidungen und Wirkungen war aber ebenso verschieden. Die Agora war Ort der öffentlichen Anliegen der Polis, des Stadtstaates, der Senat und das Forum Romanum, waren die Orte an denen Belange die das gesamte Imperium betrafen verhandelt und beschlossen wurden. Das Forum war schon viel mehr Ort der Repräsentation der Macht und Ort der einseitigen Kommunikation, Direktiven, Verlautbarungen und ähnliches wurden auf dem Forum veröffentlicht. Kontakt mit dem Senat gab es für die BürgerInnen von Rom hingegen nur im Rahmen öffentlicher Audienzen im Senat.
Später ändert sich das Verhältnis zwischen Öffentlichkeit <> Privatheit besonders im Zuge der „bürgerlichen Revolution“ und wahrscheinlich noch stärker mit der Industrialisierung.
Mit der sich entwickelnden bürgerlichen Schicht, und mit dem Aufkommen des positiven Rechts, erfährt die Öffentlichkeit verschiedene, gleichzeitige Veränderungen. Mit dem abgehen vom System des Gewohnheitsrechts und dem enstehen positiver, allgemeiner Rechtssysteme, mit der Schwindenden Macht der absolut Herrschenden Monarchen, entstehen, zwar geschlossene, aber gleichzeitig öffentliche, Zirkel und Clubs, so genannte Gesellschaften, in denen öffentlich Diskutiert wurde und die Anliegen der „Allgemeinheit“ debattiert wurden. Diese bürgerlichen Gesellschaften sind die Grundsteine der bürgerlichen Gesellschaft und deren dualen Denkens von Privatheit und Öffentlichkeit. Die Privatheit erfährt, die Besonderheit dadurch, dass sie die geraubte2, persönliche Sphäre ist, in der der Leviathan3, Staat, das öffentliche, gesellschaftliche Konstrukt und Rechtssystem Staat kaum bis keinen Einfluß hat. Im Privaten gelten die Vorstellungen der Bürger(Innen) das bürgerliche Recht regelt die Handlungen zwischen den Privatpersonen und das öffentliche recht, die Begegnung zwischen Staat und Privatperson.
Zeitgleich kristallisieren sich politische Gesellschaften, Clubs und Parteien heraus, die Privat organisiert, das öffentliche Diskutieren. Schon lange davor hat die Öffentlichkeit, eine starke Veränderung durch den Buchdruck erfahren, der öffentliche Raum wurde ausgedehnt, weil die Verbreitung von Schriften und Verordnungen einfacher wurde, aber auch, weil die Publikation, das Veröffentlichen von Ideen, Gedanken, Thesen etc… durch die technologische Reproduktion vereinfacht worden ist.
Medien haben Öffentlichkeit(en) verändert und geschaffen.
Im Zuge der Industrialisierung ändert sich das Verhältnis zwischen Privat und Öffentlichkeit(en) ein weiteres mal auf dramatische Weise. War zu Beginn des Aufstiegs des Bürgertums, die Produktion von Gütern und Werten nicht alleine in der Öffentlichkeit verortet, so tritt die Privatheit, gegenüber der Öffentlichkeit in den Hintergrund, weil gleichzeitig die Geldwirtschaft mit dem Kapitalismus stark an Bedeutung gewann und die Hauswirtschaft, als Sphäre des häuslich Privaten, in Bezug auf ihren Beitrag zum Auskommen der Menschen ins Hintertreffen geriet. Die Hauswirtschaft wurde zur Subsitenzwirtschaft, und abgewertet, gleichzeitig wurden damit auch die Frauen, die seit Generationen für die Hauswirtschaft zuständig waren, mit abgewertet, während, gleichzeitig die bürgerliche Privatheit zum warmen, kuschelweichen Ort, zur Zuflucht abseits des öffentlichen Jungels stilisiert wurde.
Frauen wurden in die Privatheit gedrängt, in ihr verortet und blieben damit von den öffentlichen

Beratungen über die Politik, über die allgemeinen Anliegen ausgeschlossen. Sowohl über den Weg, dass nur wer Geld verdienete und Steuerzahlende wahlberechtigt waren, als auch darüber, dass Ihr Fehlen in der Öffentlichkeit die Grundlage des Ausschlusses aus der politische Sphäre analog der im alten Griechenland darstellte. Das Fehlen wurde auch als fehlendes Interesse gedeutet und begründete des Ausschluss über die Bedingung von Interesse und Wissen für das Partizipieren an den öffentlichen Entscheidungen.

Stichworte:
Gesellschaften – politische zirkel – Öffentlichkeit(en), obwohl eigentlich private Clubs — bürgerliche Befreiung von Adel und Absolutismus der Monarchien…
Mit Industrialisierung Öffentlichkeit wieder versus Privatheit-..
Zusammenhang mit Gender und Feminismus / Determinismus. Mann öffentliche Sphäre, Geldwirtschaft / Frau privat, häuslich hauswirtschaftliche Sphäre – Subsitenztwirtschaft… versammelte private Leute bilden Publikum Öffentlichkeit Haberermas: Netz- Publikum – Public – Volk…“ res publica“ , Republik öffentliche Politik .. Medien….Staat – Sache der Öffentlichkeit – öffentliche Güter…öffentliche Meinung…. Konstrukt eines „Volkswillens“… Medienkontrolle.. Politik machen..

Öffentlichkeit <–> Zivilgeselschaft:
Hegemonialkämpfe, Verteidigung von Freiheiten, Vergesellschaftungen von Diskursen.. von unten nach oben – „grass roots organisations“ – Selbstorganisation, ziviler Widerstand zweite Regierung… Demokratie außerhalb dem Parlament..

1 Vgl. Hannah Arendt, „Vita Activa“ oder Vom tätigen Leben, S77f, Verlag Piper, München 1981
2 privare = rauben
3 Vgl Thomas Hobbes „Leviathan“ als omnipotenter, alles regelnder Staat, als absoultes Machtmonopol, als genereller Friedenserzeuger, durch absolute Entmachtung der privaten Individuen

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Öffentlichkeit

„Öffentlichkeit bezeichnet im weitesten Sinne die Gesamtheit aller Umstände, die für die Bildung der öffentlichen Meinung von Bedeutung sind“ sowie „die Gesamtheit der potentiell an einem Geschehen teilnehmenden Personen“ (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlichkeit, 10.06.08).
Wenn man von der Öffentlichkeit spricht, darf man nicht vergessen, dass es mehr als nur eine Öffentlichkeit gibt. Meistens wendet man sich nur an bestimmte Teilöffentlichkeiten, denn neben den an einem Geschehen teilnehmenden Personen gibt es auch noch jene, die nicht oder nur teilweise daran teilhaben.
Innere Öffentlichkeiten sind geschlossenere Gruppen, die über ein Maß an speziellen Informationen verfügen, die den äußeren Öffentlichkeiten nicht zugänglich sind.
Wenn ich Informationen einer Öffentlichkeit zugänglich machen möchte, muss ich immer bedenken, über welches Kommunikationsmedium ich welche Öffentlichkeiten erreichen kann.
Der Öffentlichkeit kann sich auch noch die Gegenöffentlichkeit entgegenstellen. Die Gegenöffentlichkeit geht davon aus, dass die Öffentlichkeit nicht über alle oder über falsche Informationen über ein Geschehen verfügt. Sie veröffentlicht nun die ihrer Meinung nach fehlenden Informationen oder bringt die Wahrheit ans Licht.

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Öffentlichkeit

Öffentlichkeit: gesellschaftliche Verhältnisse, die die Herausbildung einer öffentlichen Meinung mit bestimmten Funktionen gegenüber den staatlichen Organisationen und im Prozess der politischen Willensbildung überhaupt ermöglichen. Öffentlichkeit als eigener, von der privaten wie staatlichen Sphäre geschiedener Bereich, lässt sich erst mit dem wirtschaftlich emanzipierten Bürgertum des 17. und 18. Jhd.s nachweisen. (Karl-Heinz Hillmann, Wörterbuch der Soziologie S.625)

Der Begriff Öffentlichkeit ist kontextabhängig. „Öffentlich machen“ heißt, eine Meinung, eine Begebenheit, eine Information in einem bestimmten Kontext möglichst offen und  zugänglich zu machen, damit auf diese Art und Weise das Kollektivbewusstsein gespeist werden kann. Als Öffentlichkeit bezeichnet werden all jene Dinge, die zur Bildung einer öffentlichen Meinung beitragen, aber auch die Gesamtheit der an einem bestimmten Geschehen teilhabenden Personen. Die Öffentlichkeit kann mitunter auch als Kampfzone bezeichnet werden, bei der es um die Aufmerksamkeit einer möglichst großen Menge an Menschen geht, die relevant ist um etwas zu bewegen. Masse ist oft genug Macht, und je mehr Menschen über etwas Bescheid wissen (oder dies glauben zu tun) und sich eine Meinung dazu gebildet haben, desto schwieriger wird es, dieses „Etwas“ unter den Tisch zu kehren (bzw. Falschinformationen richtig zu stellen). Wie bei dem Film „Wag the dog“ zu verfolgen war, kann ein an die Öffentlichkeit gelangter „Skandal“ oft nur durch ein anderes, emotional noch mitreißenderes Ereignis aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt werden. D.h. indem die Aufmerksamkeit auf etwas Neues gelenkt wird, hat ein altes Ereignis die Chance, im kollektiven Gedächtnis abzusinken.
Bei Heinrich Bölls Buch „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ läßt sich gut nachlesen, was passieren kann, wenn eine Öffentlichkeit mit falschen Wahrheiten gefüttert wird und damit das Leben zweier Personen zerstört. Das bestärkt mich in der Annahme, daß Fähigkeit zur Beeinflussung der/einer Öffentlichkeit Macht bedeutet.

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Öffentlichkeit

Die Zugänglichkeit von Veranstaltungen oder Wahrnehmbarkeit von Vorgängen für einen unbegrenzten Kreis von Personen.
„Sphäre der zum Publikum versammelten Privatleute“, „Netz für die Kommunikation von Inhalten und Stellungnahmen (…), das sich nach der Kommunikationsdichte, der Organisationskomplexität, und Reichweite nach Ebenen differenziert, von der episodischen Kneipe (…) bis zur abstrakten, über Massenmedien hergestellten Öffentlichkeit“ (Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit)

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Öffentlichkeiten

Öffentlichkeiten ist ein Begriff, der sich in “der” Öffentlichkeit noch nicht breitenwirksam durchgesetzt hat. Selbst in der deutschsprachigen Ausgabe der Online-Enzyklopädie Wikipedia wurde bisher nur die singulare Form definiert. Immerhin gibt es ein Verweis auf den Begriff „Gegenöffentlichkeit“ (wieder in der Einzahl!), der wenig ausführlich in fünf kurzen Sätzen abgehandelt wird. Die Definition von „public“ ist auch in der englischen Wikipedia-Version schnell abgehandelt, zumindest findet sich hier abschließend folgendes Zitat: “There is no single public, but different levels of public based on differing levels of interest and ability“.

Veröffentlicht in Sylvia_N. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Öffentlichkeit

die Zugänglichkeit von Informationen, Kommunikation und Beteiligungsmöglichkeiten für einen unbegrenzten Kreis von Personen.Jürgen Habermas beschreibt Öffentlichkeit als eine zentrale Kategorie derbürgerlichen Gesellschaft, wie sie im Zuge der Aufklärung entstanden ist. Von innerer Öffentlichkeit spricht man im Zusammenhang von größeren Gruppen, Vereinen, Unternehmen oder sonstigen Organisationen und Körperschaften. Sie bezeichnet die Gesamtzahl der betreffenden Personen und unterliegt denselben Gesetzmäßigkeiten und organisatorischen Grundmustern wie die äußere Öffentlichkeit, wird aber von dieser getrennt und unter Berücksichtigung des
speziellen Informationsbedarfs bedient.
In demokratischen Gesellschaften spielt die Öffentlichkeit in Gestalt der öffentlichen Meinung eine wichtige Rolle, denn in ihr findet die (politische) Meinungsbildung statt. Die Presse ist wichtiger Teil und Spiegel der Öffentlichkeit. In diesem Zusammenhang sind öffentliche Güter wichtig, die Öffentlichkeit überhaupt erst ermöglichen. Eine lebendige Öffentlichkeit wird einigen Theorien zufolge als Grundlage für die Entwicklung von Zivilgesellschaft gesehen.

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Öffentlichkeiten

DIE Öffentlichkeit existiert nicht, es ist ein stetes Verhandlungs- und Spannungsfeld, ein Konstrukt

– die Verwendung des Plurals hier versucht dies deutlich zu machen. Öffentlichkeiten definieren sich über die Individuen die sie erreichen und Individuen wiederum definieren Öffentlichkeiten. Unsere Gesellschaft besteht aus verschiedensten Systemen und Kulturen, die alle ihre „eigenen“ Öffentlichkeiten mit eigenen Referenzsystemen haben. Wir alle queren und gestalten täglich verschiedene Öffentlichkeiten.
Der Begriff „Öffentlichkeit“ erscheint als eine etwas heikle Angelegenheit: Einerseits lässt sich deskriptiv darunter verstehen „alles, was nicht privat ist“, andererseits ist er normativ mit Erwartungen der Artikulation eines politischen Subjekts, eines genuinen politischen Willens der Beherrschten, verknüpft, zumindest für den kritischen Intellektuellen. Philip Hautmann, Gegen-Öffentlichkeiten blitzen nur für Momente auf, Versorgerin #0078

„In die Öffentlichkeit zu gehen“ bedeutet Meinungen kundzutun, publik zu machen. Man ist nicht an interner Reflexion interessiert, sondern an einer Teilhabe von möglichst vielen. Im Zusammenhang mit diesem Thema kommt man nicht umhin, zumindest kurz, den Begriff der „Gegenöffentlichkeiten“ zu thematisieren. Gegenöffentlichkeiten entstehen als Reaktion auf EINE Öffentlichkeit die einem nicht genügt. Aber auch Gegenöffentlichkeit ist ein sehr dehnbarer Begriff und er wirft die Frage auf, inwieweit nicht alle Öffentlichkeiten immer auch Gegenöffentlichkeiten sind.

Gerade in einem kapitalistischen System, das einen hohen Konsenszwang erzeugt, zum Beispiel über den Verkauf der Arbeitskraft oder der Angst, diese nicht anzubringen, kann gesagt werden, dass in diesem System der Wunsch nach Gegen-Öffentlichkeiten sehr groß ist. So ein System hat – in unseren Breiten – den Trick heraus, einerseits Druck zu machen, andererseits Entspannungen zu ermöglichen, also Freiheiten dem Individuum zu gewähren, die traumhaft sind. Daher sind – außer in revolutionären Situationen oder am Beginn des Entstehens revolutionärer Situationen – solche Gegenöffentlichkeiten immer auch systemimmanent. Franz Schuh, Gegen-Öffentlichkeiten blitzen nur für Momente auf, Versorgerin #0078

Veröffentlicht in Birgit_P. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Öffentlichkeiten

Öffentlichkeit(en) ist ein positiv besetzter Begriff und signalisiert durch den Wortstamm offen, dass es/etwas begehbar, eintretbar für jedermann_frau ist. Hier schwingt der „demokratische“ Anschein mit – „…weil es in der Öffentlichkeit steht kann jede_r daran teilnehmen, sich dazu äußern“. Die hegemonialen Machtapparate/der Staat/wirtschaftliche Unternehmen/… nutzen diese Definition der einen Öffentlichkeit für sich aus, geben Inhalte, die transportiert werden vor. Die in der Öffentlichkeit diskutierten Zuschreibungen und Restriktionen konstruieren Subjekte und strukturieren dadurch auch das Leben im Privaten. Somit ist Öffentlichkeit ein Machtraum.
Wie aber die Mehrzahl selbigen Begriffs schon verdeutlicht, gibt es nicht nur eine Öffentlichkeit, sondern mehrere. Diese beinhalten sowohl alle möglich besetzbaren öffentlichen Räume verschiedenster Gruppen, als auch die als solche definierten jeweiligen Gegenöffentlichkeiten. Somit verliert sich für mich der vorgebende diktatorische Ansatz der Öffentlichkeit, die die Themen vorgibt, sondern öffnet vielmehr ein Feld, in dem sich die Macht verteilen kann. Die Sichtbarmachung verschiedener Öffentlichkeiten ist sicher der erste Schritt!

Veröffentlicht in Nicole_H. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Öffentlichkeiten

„Öffentlichkeit bezeichnet im weitesten Sinne die Gesamtheit aller Umstände, die für dieBildung der öffentlichen Meinung von Bedeutung sind.“
Zurück ins alte Griechenland: Öffentlichkeit (polis) war damals nur dem freien Bürger vorbehalten. Arbeitende Menschen schloss man aus der polis aus, denn nach ihrer Ansicht waren diese nicht frei im Sinne von Handeln. Die freien Bürger jedoch konnte die Öffentlichkeit der Polis genießen, da sie sozusagen „privaten Angelegenheiten hinter sich lassen“ konnten.
Heute gibt es viele verschiedene Öffentlichkeiten und seit Jürgen Habermas und dem ihm gegenüberzustellenden Niklas Luhmann einen wahren Boom an veröffentlichten Theorien. Habermas beschreibt die Öffentlichkeit in modernen demokratischen Gesellschaften als ein Netzwerk für die Kommunikation von Meinungen, wohingegen Niklas Luhmann die Öffentlichkeit als ein Beobachtungssystem der Gesellschaft sieht.
Oft spricht man als grundsätzliche Unterscheidung von innerer Öffentlichkeit und von äußerer Öffentlichkeit. Ersteres verwendet man im Zusammenhang mit größeren Gruppen, Vereinen oder Unternehmen. Die äußere und die innere Öffentlichkeit folgen den gleichen Gesetzmäßigkeiten und Grundmustern.
Besonders interessant wird als Kontrapunkt hier der Bergriff der Gegenöffentlichkeit. Diese entstehen meist schnell und verstehen sich oft als Delegitimierung der herrschenden Öffentlichkeit. Gegenöffentlichkeiten vermitteln sich selbst oft über Kleidung, Musik, Kunst, der Verunstaltung von Werbe- oder Wahlplakaten oder über Graffiti, das bedeutet für mich aber auch, dass sich Gegenöffentlichkeiten nicht über spezielle (Massen)-Medien vermitteln müssen um ihre emanzipatorischen Ziele verfolgen zu können.

Veröffentlicht in Elisabeth_E. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Öffentlichkeit

Jürgen Habermas hat 1962 in „Strukturwandel der Öffentlichkeit“, seiner Habiliationsschrift, Öffentlichkeit als eine zentrale Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft, wie sie im Zuge der Aufklärung entstanden war, beschrieben. Die Entwicklung, wie sie durch die elektronischen Massenmedien angestoßen wurde, hatte Habermas ja bekanntlich als einen eigentlichen Zerfallsprozess dieser bürgerlichen Öffentlichkeit beschrieben. Ausgehend vom Begriff der repräsentativen Öffentlichkeit beschreibt Habermas die Geschichte und den Wandlungsprozess jener, hin zu einer räsonierenden bürgerlichen Öffentlichkeit, welche als das grundlegende Strukturelement einer jeden neuzeitlichen demokratischen Staatsform angesehen werden muss. So streitbar ein Begriff von Öffentlichkeit in der zeitgenössischen Diskussion auch ist, der Strukturwandel der Öffentlichkeit ist und bleibt das grundlegende Werk zum Verständnis eben dieser.
Nun hat sich Habermas wieder zu Wort gemeldet und seine Überlegungen auf das Internet und das Web 2.0 weiterentwickelt: „Das World Wide Web scheint freilich mit der Internetkommunikation die Schwächen des anonymen und asymmetrischen Charakters der Massenkommunikation auszugleichen, indem es den Wiedereinzug interaktiver und deliberativer Elemente in einen unreglementierten Austausch zwischen Partner zulässt, die virtuell, aber auf gleicher Augenhöhe miteinander kommunizieren.“
Habermas betont auch den grundsätzlichen Wandel, den das Internet ausgelöst hat: „Tatsächlich hat ja das Internet nicht nur neugierige Surfer hervorgebracht, sondern auch die historisch versunkene Gestalt eine egalitären Publikums von schreibenden und lesenden Konversationsteilnehmern und Briefpartnern wiederbelebt. Andererseits kann die computergestützte Kommunikation unzweideutige demokratische Verdienste nur für einen speziellen Kontext beanspruchen: Sie unterminiert die Zensur autoritärer Regime, die versuchen, spontane öffentliche Meinungen zu kontrollieren und zu unterdrücken. Im Kontext liberaler Regime überwiegt jedoch eine andere Tendenz. Hier fördert die Entstehung von Millionen von weltweit zerstreuten chat rooms und weltweit vernetzten issue publics eher die Fragmentierung jenes großen, in politischen Öffentlichkeiten jedoch gleichzeitig auf gleiche Fragestellungen zentrierten Massenpublikums. Dieses Publikum zerfällt im virtuellen Raum in eine riesige Anzahl von zersplitterten, durch Spezialinteressen zusammengehaltenen Zufallsgruppen. Auf diese Weise scheinen die bestehenden nationalen Öffentlichkeiten eher unterminiert zu werden.“
Schliesslich bringt Habermas die Sache mit den Öffentlichkeiten und dem Web 2.0 sehr schön auf den Punkt: „Das Web liefert die Hardware für die Enträumlichung einer verdichteten und beschleunigten Kommunikation, aber von sich aus kann es der zentrifugalen Tendenz nichts entgegensetzen. Vorerst fehlen im virtuellen Raum die funktionalen Äquivalente für die Öffentlichkeitsstrukturen, die die dezentralisierten Botschaften wieder auffangen, selegieren und in redigierter Form synthetisieren.“
Habermas, Jürgen: Ach, Europa. Kleine politische Schriften XI, Frankfurt am Main 2008

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