Gegenöffentlichkeit

eine Gegenöffentlichkeit ist eine (zumindest versuchte) Öffentlichkeit, die unzufrieden ist mit den Themen oder Meinungen einer etablierten Öffentlichkeit und deswegen alternative Methoden zu entwickeln versucht, um sich Gehör zu verschaffen. Ein Beispiel ist die Homepage von Konrad Linhard, der eine der Homepage der Kulturhauptstadt 2009 ähnlich klingende Web-Adresse betreut, über die er anderen die Möglichkeit bietet, anonyme Kritik gegen 09 und andere stadtinterne Thematiken zu schreiben.
Gegenöffentlichkeit zeichnet sich nicht unbedingt durch die Quantität ihrer Indivuduuen aus, sondern durch ihr Entstehen als Reaktion auf eine bestehende Öffentlichkeit; sie scheint also ein Antagonismus zu einem bestehenden Mainstream zu sein. Sie unterscheidet sich immer inhaltlich von den Vorgaben der Öffentlichkeit,  oft aber auch strukturell. Internetforen wie „indymedia“ versuchen auch durch ihre offenen Zugangskanäle merkbare Unterschiede zu bestehender Öffentlichkeit zu schaffen.
Die Begriffe Öffentlichkeit/Gegenöffentlickeit sind oft an Medien gebunden: diese nehmen für sich in Anspruch, „die Öffentlichkeit“ zu repräsentieren (siehe Kronenzeitung) bzw. „eine Gegenöffentlichkeit“ zu schaffen (siehe Indymedia). Aber auch die NutzerInnen der Medien leiten ihr Bild von (Gegen-)Öffentlichkeit oft von vertrauten Medien ab.
Es gelingt aber auch, auf unorthodoxe Weise Gegenöffentlichkeit zu schaffen, durch Verhalten, Produzieren, Organisieren, … Ein interessantes Beispiel sind Public Enemy mit ihrer Etablierung von HipHop als „CNN der Schwarzen“ – hier gelang vorübergehend die Nutzung einer Szenekultur als politischen Medium zur Schaffung einer Gegenöffentlickeit.

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Gegenöffentlichkeit

„Freiheit, ist die Freiheit der anders Denkenden“    Rosa Luxemburg

Walter BENJAMIN „Im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit“
Kritik an herrschender etablierter Öffentlichkeit

Gegenöffentlichkeit (1960/1970)
Oppositionell zur herrschenden Öffentlichkeit
- um sagbar zu machen, was dort nicht sagbar ist
- Regeln überschreiten, Regeln brechen
- Alternative Öffentlichkeit
- Soziale Praxis mit emanzipatorische Zielen
- Kultureller Aktivismus
- Menschenbild geht von der Gleichheit der Menschen aus
- Dekonstruktion, Demaskierung, Delegimitierung

historisch gesehen
Griechen, POLIS     Öffentlichkeiten sind dem freien Bürger vorbehalten.
Der arbeitende Mensch war nicht frei, daher auch keine Teilnahme am öffentlichen Leben.

vorindustrielle Gesellschaft, parallele Öffentlichkeiten, mündliche Verbreitung von Texten, bis Einführung des Buchdrucks,
Bürgeröffentlichkeit (Patriarchalisch, rassistisch), Gegenöffentlichkeit zur Aristokratie (feudalen Öffentlichkeit)
Durchsetzung des industriellen Kapitalismus, Durchsetzung einer breiten Arbeiteröffentlichkeit (proletarische Massenkultur), einerseits Gegenöffentlichkeit zur Bürgeröffentlichkeit.
1920/30    Gesamtheit totalitärer Öffentlichkeit (Faschismus)
1960/70    Gegenöffentlichkeit STS (sozialistische Studenten
APO (Außerparlamentarische Opposition)
Bruch des herrschenden Meinungsmonopols 1968
1970/80    Gegenöffentlichkeit in der emanzipatorischen, sozialen Bewegung
Friedensbewegung
Fanden Einklang in die etablierten Öffentlichkeiten
Ab 1990    Krise der Gegenöffentlichkeit
CODES, Integration der Codes der Gegenöffentlichkeiten
Partizipielle Integration der Gegenöffentlichkeit in etablierte Öffentlichkeiten

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