(lat. femina = Frau). Feminismus begründet sich geschichtlich in der Identifizierung von Frauen als dem männlichen Geschlecht untergeordnete Gruppe. Als kleinste gemeinsame Definition kann das Aufbegehren von Frauen gegen ihre Unterdrückung, Marginalisierung, (soziale) Diskriminierung, (wirtschaftliche bzw. sexuelle) Ausbeutung gelten und ihr Bestreben nach einer Gleichstellung der Geschlechter in allen sozialen und kulturellen Bereichen.
Der Begriff hat sich in den 1890 Jahren entwickelt und wurde als Synonym von Frauenemanzipation verwendet.
Die beiden ersten Frauenbewegungen des 19. und frühen 20. Jhdt. werden auch als First Wave Feminism (Frauenwahlrechte) bezeichnet, die neuen Frauenbewegungen aus den USA, England (Wommen’s Libaration Movement) und der sich formierende akademische Feminismus werden als Second Wave Feminism bezeichnet. Die Institutionalisierung der Feminismus wurde seit Mitte der 1970er Jahre von wissenschaftlichen Zeitschriften wie Signs (USA, 1976), Questions Féministes (Frankreich, 1977), m/f (England, 1979) und Feministischen Studien (Deutschland, 1982) und unabhängigen feministischen Verlagen begleitet. Oft wurden die Women’s Liberation-Bewegung und der sich formierende akademische Feminismus mit dem radikalen Feminismus gleichgesetzt, der den Second Wave Feminism prägte.
Das Radikale im Feminismus kann auf zwei Arten interpretiert werden: Einerseits als eine Bewegung, die nach dem Ursprung (lat. radix: Wurzel) der Unterdrückung der Frauen sucht, andererseits bezieht sich die Radikalität auch darauf, das fundamentale Veränderungen in der Gesellschaft angestrebt werden, und auch Geschlechterrollen an sich als Ursache und Zusammensatzung der Unterdrückung der Frauen angesehen werden.
Zwei Grundlegende Positionen können weiters ausgemacht werden: die erste geht von einer grundsätzlichen Gleichheit von Mann und Frau aus, die zweite von einer Differenz zwischen den zwei [sic] Geschlechtern.
In Anlehnung an Simone de Beauvoir „Man kommt nicht als Frau zur Welt man wird es“ (Das andere Geschlecht, 1951) wurde Anfang der 1970er Jahre mit der Trennung von sex und gender diese Differenz nicht als eine biologische, sondern als eine soziale und kulturelle Differenz beschrieben.
Der dekonstruktive Feminismus (ab Mitte der 1980er Jahre) stellt den Gegensatz von sex als biologischem Geschlecht und gender als kulturellem Geschlecht in Frage und verweist auf die kulturelle Konstruktion des biologischen Geschlechts (Butler, 1991). Die Kritiken des dekonstruktiven Feminismus an der Positionalität und der Partialität (Teil) stützen sich auf Interventionen des lesbischen Feminismus, der Women of Color und der Working Class Women. Es werden Differenzen der einzelnen Homogenisiert die letztlich auf einen „Imterialismus“ der „weißen Mittelklasse-Frauen“ hinausläuft. Der Annahme der Unterdrückung der Frauen als Vorannahme im radikalen Feminismus, die Geschlecht als entscheidende Kategorie setzt, kann mit der Kritik eines jeden autonomen, handlungsmächtigen Subjekt in Frage gestellt werden. Dazu muss es allerdings autonome und handlungsmächtige Identitäten = Subjekte geben.
Wichtig in diesem Sinne ist, die „Einmaligkeit“ jeder Erfahrung zu betonen aber auch eine Gemeinsamkeit von Frau-en als politischen Ausgangspunkt herzustellen, von dem aus frau/man oder der Feminismus Geschlecht, Geschlechterrollen und Geschlechterverhältnisse in Frage stellt/stellen kann.
