Eventkultur, Spektakelkultur

Ereigniskultur am Beispiel der Fußball Europameisterschaft 2008. Die EM 2008 hier in Österreich treibt oft seltsame Keime. Aber vielleicht waren die mir bekannten Menschen bereits davor (ohne es zu wissen) von Fussball- Sporen infiziert. Und nun da die EM unter anderem hier in Österreich stattfindet, haben diese Sporen einen fruchtbaren Boden gefunden und treiben ihr Myzel aus und machen aus ganz normalen Menschen – österreichische Fussballfans (Sprechchöre und Bundeshymne singen inbegriffen). Das Phänomen eines Events. Ereignisse die eine Handlung vorantreiben und die Menschen verändern, dadurch das man dabei ist. Da geht es nicht vorrangig um den Inhalt des Ereignisses, vielmehr um den emotionalen Zugewinn, den eine Person dabei erfährt: dicht gedrängt beieinander stehen, gemeinsam denselben Dingen zuklatschen. In einer sehr individualisierten Gesellschaft (siehe Gesellschaft) kann das schon eine verändernde, auch angenehme und positive Wirkung auf Identitäten ausüben. Zudem können auch von Männer ihre gesellschaftlich unterdrückte Homoerotik/ -sexualität stellvertretend ausleben, miterleben und geniessen. Kleiner Seitenhieb aus der feministischen Ecke. Wo sonst siehst du so viele ich umarmende und halsende Männerkörper? (siehe Gender). Und in diesem Sinn kann Fussball ja doch auch einen emanzipatorischen Inhalt tragen. (Anmerkung: Ich weiß – wahrscheinlich ist kein Sport homophober und rassistischer als Nationalmanschafts-Fußball). Abwenden vom Event hin zum Spektakel. Mir scheint es eine enge Verbindung zwischen Event und Spektakel zu geben. Das Event dient als Aufhänger um ein Spektakel daraus zu machen. Wobei das Spektakel von den einzelnen partizipativ genutzt wird – oder das Spektakel ist auf Partizipation ausgerichtet? Ich würde die Fussball EM als gereihte Events bezeichnen, und das „Theater“ das die Menschen um mich, darum herum aufführen als Spektakel. Womit die beiden Begriffe eine enge Verbindung aufweisen. Ohne Event kein Spektakel. Das Spektakel ist dann auch eher die Motivation ein Event zu besuchen. (siehe oben). Die eigene Involviertheit – oder das Vorspielen einer Dazugehörigkeit scheinen das Kernanliegen und der eigentliche Inhalt von Events bzw. dem folgenden Spektakel zu sein. Zugehörigkeit vermitteln, vorgaukeln und/oder tatsächlich spüren. Auch vermittelte oder vorgegaukelte Zugehörigkeit wirkt verbindend und ist somit ein wichtiger Integrationsfaktor: III-VIII-CA VAAASTIC – wir lieben dich. Oder besser „Einwanderungsbehörde“, wir lieben dich. [sic]

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Initiative Kulturarbeit, ‘Repräsentationskultur’ und Event- bzw. Spektakelkultur

stehen in einer Wechselwirkung und existieren durch die Abgrenzung bzw. über die Definition des jeweils anderen. Während Repräsentationskultur gemeinhin als die allgemein anerkannte Form von Kunst- und Kulturvermittlung verstanden wird, bilden die Initiative Kulturarbeit und die Eventkultur davon zwei diametral entgegen gesetzte Zweige, deren Überschneidung sich trotzdem nicht kategorisch ausschliessen lässt, denn auch Initiative Kulturarbeit kann zB. Events hervor bringen.
Die drei Kulturbegriffe können grundsätzlich gleichartige Einrichtungen (zB. Ausstellung) oder Veranstaltungen (zB. Konzert) beschreiben, unterscheiden sich dabei jedoch grundlegend in ihrer Intention, ihrer Organisation und Zielsetzung, teilweise in Öffentlichkeiten sowie den zur Verfügung stehenden Mitteln.
Obwohl sich Initiative Kulturarbeit in einem wirtschaftlichen Rahmen bewegen muss, will sie abseits von kapitalistischer Wertschöpfung agieren. Da sie grossteils von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen wird, ist es eine ihrer wichtigsten Herausforderungen, die Bedeutung von ‚Arbeit’ (vs. Lohnarbeit) innerhalb einer Gruppe neu zu positionieren.
Auch auf der Ebene des Handlungsraums unterscheidet sich die Initiative Kulturarbeit, die sich vor allem im Regionalen fest machen lässt, von dem nationalen Kulturerbe der Repräsentationskultur sowie der Eventkultur, die Mechaniken der Globalisierung verinnerlicht und kaum auf Nachhaltigkeit setzt.

Spektakelkultur / Eventkultur

Brot und Spiele – Give the People what they think they want – Organisiertes Chaos/Pseudoanarchie à la Fasching/Fasnacht/Karneval – Liturgie – Kulte religiöser/nationaler/ethnischer Ausrichtung und Zielsetzung, ……
Werbung, Marketing, Festivals Großveranstaltungen…Hype… Inszenierung… Spektakel -Spektakulär, es zahlt sich aus hinzuschauen hinzugucken einen Blick zu riskieren. Es zieht Blicke auf sich…ist laut, aufdringlich.
Inszenierung, Intention, multifunktional….
Spitzensport – Popnarkotic – top10 – „Stadl“ – Fernsehen – Kronefest / Festspiele…Brot und Spiele, Herstellung eines Scheins, einer scheineinigkeit, einer Scheingemeinschaft….
Meine Theoretischen Hintergründe dazu: Michel Foucault, Pierre Bourdieu, Gui Debord, Situationisten…Thureau Dangin

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Event-, Spektakelkultur

aus dem Englischen: Ereignis; Spektakel
Das kaum mehr gebräuchliche Wort Spektakel (meist nur noch als Adjektiv in Form von spektakulär verwendet) kommt mir meistens nur noch im Zusammenhang mit Zirkus, Artisten, Manege und Kunststücke in den Sinn, also mit einer aussterbenden Art von Veranstaltungen.
Eventkultur ist für den Großteil aller (ehrenamtlichen) AktivistInnen im freien und initiativen Kulturbereich zu einem der Reiz- und Unworte schlechthin geworden. Sobald irgendwo das Wort Event erklingt, läuten gleichzeitig alle Alarmglocken in den Gehirnen der freien Szene. Es manifestieren sich Bilder von Veranstaltungen enormer Größe, Menschenmassen, durch und durch professionell organisiert, an der Gewinnmaximierung orientiert. Das Event ist ein Produkt, das gewinnbringend verkauft wird, teilweise auch unter dem Deckmantel einer Kulturveranstaltung.
Der modernen marktwirtschaftlich orientierten Politik gefällt das Event natürlich, da es sich dabei um einen boomenden Wirtschaftszweig handelt, der Arbeitsplätze schafft und Steuergelder erwirtschaftet, und nicht wie die traditionellen Kulturbetriebe (hier meine ich Theater, Museum, Oper usw.) oder die freien Kulturinitiativen immer nach mehr Steuergeldern für die Kultur rufen. Deshalb werden auch Ausbildungen im Bereich der Creative Industries durch Fachhochschullehrgänge, Wifikurse und ähnliches gefördert, wodurch immer mehr Generationen von EventmanagerInnen mit Kompetenz und wirtschaftlicher Ausbildung geboren werden. Einem erfolgreichen Eventmanager mit Monopolgelüsten vom Schlage eines Muff Soppers täte allerdings ein wenig gesunde Konkurrenz sicher auch nicht schlecht!
Ein Event sollte bis ins kleinste perfekt organisiert sein: ein totales rundum Programm für möglichst die ganze Familie wäre das erstrebenswerte Ziel. Vom Catering, Merchandising, Ticketverkauf über Nebenevents, Parties, Funparks bishin zu den Toiletten: alles muss vorhanden sein, Gewinn bringen und dabei den BesucherInnen Spaß machen. Wenn möglich braucht man auch mit „outsourcing“ nicht zu sparen, dabei kann man ja wieder ein wenig mehr absahnen. die kommerzielle Ausschlachtung prägt eben das Event, eine große PR- und Werbemaschinerie
Die traditionellen Begleitungen zum Wort Event finden sich meist in der Steigerungsform wieder, die daraufhin vom Superlativ übertroffen wird: größer, schneller, besser, greller, spannender als je zuvor, das Neueste und Spannendste zur Zeit!
Als passendes Beispiel für ein Event der „Superlative“ sei zur Zeit die Fußball Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz genannt. Das Hauptereignis dieses Events ist ein sportlicher Wettkampf in Turnierform. Doch erst das komplette Unterhaltungspaket mit Fanzonen, Catering, Parties, Konzerten, Ausstellungen und vielem mehr macht daraus ein großes Spektakel.

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Eventkultur-Spektakelkultur

Event (engl.): Ergebnis, Vorfall, sportl. Veranstaltung; Sport: Diziplin, Wettbewerb. (Langscheidts Schulwörterbuch S.114)
Spektakel (lat.): 1) der, Lärm, Aufruhr. 2) das Schauspiel. späktakulär, aufsehenerregend.
(Der Volksbrockhaus S. 767)

Event- und Spektakelkultur zielen auf das momentane Erleben ab, auf das „Hier und Jetzt“. Sie sind punktuell ausgerichtet, dabei geht es primär um einen konsumierbaren Mehrwert. Eine Kultur für alle, die unterhalten, erfreuen und vorübergehend ablenken soll von den Missständen, die einen im Alltag so umgeben. Sie eignet sich ideal zur Bewerbung von Firmen, Produkten, Lifestyle, Menschen und Politik, weil sie auf eine möglichst groß Zielgruppe zugeschnitten ist und durch ihre Einfachheit besticht. „Events“ werden oft als außergewöhnliche Ereignisse bezeichnet und massenhaft beworben um dabei möglichst keine Gelegenheit auszulassen, die Menschen in Kenntnis zu setzen. Ob sie wollen oder nicht.
Der kommerzielle oder werbewirksame Eigennutz steht in der Regel im Vordergrund und Masse ist macht. Je stärker die Lobby, die dahinter steht, um so problemloser die Adaptierung des öffentlichen Raums. Auch hier nicht zu vergessen, das Kleine im Großen – auch kleine Vereine können so etwas wie ein Event veranstalten. Beispiele: Olympische Spiele, Fußball-EM, Rolling Stones Tourneen, Redbull Flugtage, Kronenzeitungsfest,….

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Initiative Kulturarbeit, Repräsentationskultur und Eventkultur

Während initiative Kulturarbeit von Ehrenamt und prekären Arbeitsbedingungen geprägt ist , eine starke regionale Verankerung hat, sich um alternative Publikumsschichten bemüht, der Schwerpunkt auf Zeitgenössischem liegt und die Kluft zwischen KünstlerInnen und Publikum überbrücken will hat die Repräsentationskultur wenig Publikumsnähe, ist auf Gewinn von Ansehen, Ruhm und Ehre ausgerichtet, an Kapitalaustausch und politischem Standing interessiert und ein abgeschottetetes, produkt-und produzentenorientiertes System. Eventkultur dient der Befriedigung und Unterhaltung der Massen, Kultur wird zum Konsumprodukt, dient der Ablenkung und Außensteuerung. Event = inszeniertes Ereignis

Spektakel

Lärm, Schauspiel
spektakulär: aufsehenerregend

Bekanntestes literarisches Werk ist Guy Debords Buch „Die Gesellschaft des Spektakels“, eine radikale Abrechnung mit dem Kapitalismus und dem Ostblock-Sozialismus zugleich. Dabei nimmt Debord u.a. Bezug auf die Geschichte des Anarchismus, aber auch auf Motive von Hegel und auf Texte von Karl Marx, sowie Georg Lukács. Das Spektakel transportiere verschiedene Ideologien, denen aber allen die Entfremdung des Menschen gemeinsam sei. Mit der Automation, die der fortgeschrittenste Bereich der modernen Industrie und zugleich das Modell ist, in dem sich deren Praxis vollkommen zusammenfasst, muss die Warenwelt den folgenden Widerspruch überwinden: die technische Instrumentierung, die objektiv die Arbeit abschafft, muss gleichzeitig die Arbeit als Ware und als einzigen Geburtsort der Ware erhalten. Damit die Automation oder jede andere weniger extreme Form der Produktivitätssteigerung der Arbeit, die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit wirklich nicht verkürzt, müssen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Tertiärsektor, die Dienstleistungen sind das ungeheure Ausdehnungsfeld für die Etappenlinien der Distributions-und Lobpreisungsarmee der heutigen Waren; gerade in der Künstlichkeit der Bedürfnisse nach solchen Waren findet diese Mobilisierung von Ergänzungskräften glücklich die Notwendigkeit einer solchen Organisation der Nachhut-Arbeit vor.“
– Guy Debord in Die Gesellschaft des Spektakels

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Eventkultur – Spektakelkultur

Eventkultur sucht das große Publikum, wobei der unterhaltende Aspekt der Kultur oft in den Vordergrund gestellt wird. Die Organisation erfolgt meist privatwirtschaftlich. Anders als der Bereich der Initiativen Kulturarbeit erfährt dieser Bereich aufgrund der hohen Breitenwirksamkeit sofortige politische Anerkennung und kann schnell mit beträchtlichen Subventionszuwendungen rechnen.

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Spektakel

Begriffsdefinition (Wikipedia)
„Der Begriff „Spektakel“ ist für Ereignisse mit seichtem oder befremdlichem Charakter leicht negativ besetzt, aber für bemerkenswert unterhaltsame Ereignisse durchaus positiv. Wird ein Ereignis als „spektakulär“ bezeichnet, wird die Publikumswirksamkeit positiv gelobt, ohne negativen Unterton. So bezeichnet werden z.B. Events, Festlichkeiten oder Inszenierungen, die vor allem auf Sinnesreize für ein Publikum abzielen, zum Beispiel Feuerspektakel, Medienspektakel etc.“

Der französische Situationist und Filmemacher Guy Debord hat 1967 ein für die Neue Linke einflussreiches Werk mit dem Titel Die Gesellschaft des Spektakels verfasst, in dem er das Spektakel des Konsums in westlichen Gesellschaften, aufbauend auf der Analyse des Warenfetischismus, aus einer neomarxistischen Perspektive heraus kritisiert.

“Das Spektakel stellt sich zugleich als die Gesellschaft selbst, als Teil der Gesellschaft und als Vereinigungsinstrument dar. Als Teil der Gesellschaft ist das Spektakel ausdrücklich der Bereich, der jeden Blick und jedes Bewusstsein auf sich zieht. Aufgrund dieser Tatsache, dass dieser Bereich abgetrennt ist, ist er der Ort des getäuschten Blicks und des falschen Bewusstseins; und die Vereinigung, die es bewirkt, ist nichts anderes als eine offizielle Sprache der verallgemeinerten Trennung.“ (Guy Depord)

Eine ähnlich kritische Position vertritt Theodor W. Adorno mit seinem Konzept der Kulturindustrie.

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Event-und Spektakelkultur

Hierbei handelt es sich um kulturelle Veranstaltungen welche durch ihre Inszenierungs-und Erlebnisformen beworben werden. Das schnelle, konsumierbare, kommerzielle Erlebnis steht hier eindeutig im Vordergrund. Im Gegensatz zur Repräsentationskultur handelt es sich hier um eine Breitenkultur. Es sollen möglichst viele Menschen erreicht werden um möglichst viel Profit zu erwirtschaften.
Neben den Konsumausgaben der BesucherInnen werden die Werbeflächen eine immer wichtigere Einnahmequelle. Solche Veranstaltungen werden von Sponsoren als immer wichtigeres absatzpolitisches Instrument oder image- und meinungsbildungsfördernde Maßnahme zur Durchsetzung der Unternehmensziele gesehen. Höchstes Ziel ist die ökonomische Verwertbarkeit dieser kommerzialisierten Kultur.

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Eventkultur-Spektakelkultur

Event: Veranstaltung {f}; Ereignis {n}; http://dict.tu-chemnitz.de

Während die Hochkultur nach dem subjektiven Empfinden der Bevölkerung für die Zukunft „bildet“, lebt Eventkultur im Hier und Jetzt („Jetzt will ich etwas sehen, fühlen und erleben“). Eventkultur ist gegenwartsbezogen und gleichermaßen personen- und sozialorientiert. Die Hochkultur wird vom Sockel geholt, aber nicht gestürzt; sie lebt weiter in der Eventkultur. […] Die Eventkultur hingegen hat sich weitgehend von den Idealen klassischer Bildung befreit und ist viel enger mit dem Alltagsleben der Bevölkerung verbunden. Horst W. Opaschowski, Jugend im Zeitalter der Eventkultur, aus: Politik und Zeitgeschichte, 2000

Begreift man ein Event als außergewöhnliches, punktuelles Ereignis kann praktisch alles ein Event sein, selbst das Haus- und Hoffest der KAPU. Die KAPU wäre ausgeschlossen wenn man Events rein in der Unterhaltungsbranche ansiedeln würde – kann man das? Mit der Repräsentationskultur gibt es Überschneidungen, undefinierbare Zwischenräume und Ausfransungen, denn Events haben sicher auch repräsentative Aufgaben (LinzFest der Stadt Linz, Events im Rahmen des Gedenkjahres 2005..) bzw. bedient sich die Repräsentationskultur der Eventkultur. Bei Events geht es um momentanes Erleben, einen konsumierbaren Mehrwert – was mich wieder dazu bringt, dass das Haus- und Hoffest der KAPU auch klar ein Event ist.

Spektakel: Krach {m}; Krawall {m}; Schlägerei {f}; Getue {n}; Schauspiel {n}; historische Aufführung

{f} http://dict.tu-chemnitz.de

Das Spektakel im Sinne von Guy Debord (1967 erschien sein Hauptwerk „Die Gesellschaft des Spektakels“).

„Das ganze Leben der Gesellschaften, in welchen die modernen Produktionsbedingungen herrschen, erscheint als eine ungeheure Sammlung von Spektakeln. Alles was unmittelbar erlebt wurde, ist in eine Vorstellung entwichen.“ Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967

„Für Debord war die Gesellschaft des Spektakels die moderne Gesellschaft schlechthin, in keiner Hinsicht natürlich, ein interessensbestimmtes Konstrukt, aber dessen ungeachtet unveränderlich vollständig: Realität erhebt sich mit dem Spektakel und das Spektakel ist real.“ Greil Marcus, Lipstick Traces, 1996

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Eventkultur – Spektakelkultur

Spek’ta·kel, das; -s,- 1.Aufsehen erregendes Geschehen 2. Lärm, Krach, Aufregung 3. Schauspiel, glanzvolle, Aufsehen erregende Aufführung

Event der/das; -s,-s Ereignis, Begebenheit, Veranstaltung
Engl. Ereignis, v. Lateinischen eventos)

Unter Eventmarketing (auch Event-Marketing, Live-Kommunikation, Live-Marketing) wird die zielgerichtete und systematische Planung von Veranstaltungen (Messen, Außendienstkonferenzen, Verkaufspräsentationen, Sport- und Kulturveranstaltungen), unter Berücksichtigung der Kommunikationsziele des Unternehmens verstanden.
Die klassischen Kommunikationsaufgaben des Marketing-Events lauten: Information, Emotion, Aktion und Motivation. Erst ihre Mixtur macht den Marketing-Event wirksam.
Die klassischen Werbeformen. Werbung in Zeitung, Radio, Fernsehen oder Internet wird ergänzt oder ersetzt durch eine Aktionsform, die die Zielgruppe direkt erreicht und mit ihr aktiv und emotional interagiert.

Kulturindustrie
“Dialektik der Aufklärung” 1947, 1969
(Max Horkheimer, Theodor W. Adorno)

Alle Kultur wird zur Ware; Kunst definiert sich über ihren ökonomischen Wert, nicht nach ästhetischen Gesichtspunkten, die für die Analyse des autonomen Kunstwerk der bürgerlichen Gesellschaft eine Rolle spielen.

Initiative Kulturarbeit, Repräsentationskultur und Eventkultur – Spektakelkultur

Initiative Kulturarbeit, Repräsentationskultur und Eventkultur – Spektakelkultur unterscheiden sich, wenn sie im Verhältnis zueinander gesehen werden, durch: die Grundfrage/Zieldefinition einer Veranstaltung, durch die Organisationsstruktur und die auftretenden Akteure_Innen, durch die Inhalte, die sofern vorhanden, transportiert werden und durchs Publikum bzw. die „Größe“ und Art der erzeugten Öffentlichkeit.

Initiative Kulturarbeit
…Initiative ergreifen kulturell zu arbeiten.
„Es entsteht eine Idee, sie kommt auf, schnell, aus dem Boden, vielleicht aus dem Nichts – scheinbar. Ist plötzlich da versucht auf sich zu lenken, stellt sich anderen in den Weg, zwingt sie zu einer Betrachtung. Es liegt Freude in der Luft, Botschaften zu kreieren, Texte (im Sinne von Fiske), die gelesen werden können, aber nicht müssen. Diese Ideen, Bilder, Texte entstehen in einer Kultur, gliedern sich in sie ein, anpassend oder auffallend, jedenfalls stellen sie kulturell etwas dar. Sie sind bearbeitbar, von jedem/r einzelnen und sie sind erarbeitet. Das scheinbare Nichts beschreibt Prozesse, die nicht gerne gesehen werden wollen. Es ist Arbeit!“

Grundfrage – mit welcher_em Künstler_in können wir welche Themen aufgreifen in einem möglichst kleinen finanziellen Rahmen? Welche „kleinen“/unbekannten/regionalen Künstler_innen sollten mit einer Auftrittsmöglichkeit gefördert und unterstützt werden? Wie können die persönlichen Ideale der Initiator_innen für eine Gesellschaft verwirklicht werden?
Ziel – ist es Gesellschaftsverändernd zu wirken und Ungerechtigkeiten in der (Macht-)Verteilung sichtbar zumachen. Es sollen Künstler_innen aus den Regionen gefördert werden und ein Programm geboten werden, das aktuelle gesellschaftlich diskutierte Inhalte thematisiert und aufgreift.
Nachhaltigkeit – wird eher den Informationen zu gedacht, die transportiert werden, in der Hoffnung der weitläufigeren Zirkulation dieser. Dass Künstler_innen gefragter werden.
Organisation – Initiative Kulturarbeit passiert größtenteils auf ehrenamtlicher Basis und ist oft durch ein Geldproblem gekennzeichnet. Meist gibt es nur wenig fest angestelltes Personal. Da initiative Kulturarbeit oft von Vereinen veranstaltet wird, sind sie nicht gewinnorientiert und funktionieren nicht auf kapitalistischen Grundlagen. Sie bewegen sich frei von parteipolitischen Prägungen, unterliegen demzufolge aber oft den Machtstrukturen und verwährten Förderungen vom hegemonialen Machtblock/Staat.
Inhalte – sie beschäftigen eher unbekannte/regionale Künstler_innen oder Küstler_innen, in wessen Kooperationen systemkritische Aussagen getätigt werden können.
Publikum/Öffentlichkeit – sie sprechen verschiedene/viele kleinere Teilöffentlichkeiten an, durch die Varianz im Programmangebot, durch die kleinst möglichen öffentlichen Räume der Ankündigung (Plakate, Flyer, etc.), durch die Präsenz in freien Radios, etc. Sie arbeiten in Nischen und besetzen dort eigene Räume.

Repräsentationskultur
…alles, was dazu beiträgt eine ‚Elite’ mit Kunst und Kultur zu bedienen.
Die Repräsentationskultur ist, wie vom Namen abgeleitet werden kann, dazu da etwas oder jemanden zu repräsentieren. Meint damit die Sichtbarkeit nach Außen als auch nach Innen. Es ist wichtig auf der einen Seite für von außen blickende Bereiche/andere Städte/Länder etwas darzustellen, auf der anderen Seite auch die Elite, die High Society, mit namhaften Künstlern und Interpreten zu begeistern. Die Repräsentationskultur steht im Wettstreit auf der Vergleichsebene mit anderen Städten, Bundesländern und Ländern und durch die Konkurrenz mit anderen Museen oder Aufführungsorten und Künstlern_innen.
Bis heute ist es die am stärksten geförderte, etablierteste und angesehenste Art Kultur zu machen.
Grundfrage – Mit welchem Stück/Künstler_in können wir Bundeslandweit/Österreichweit/EUweit/… gutes Ansehen erlangen? Welche Künstler_innen sind gefragt/kommen gut an bei einem Publikum?
Ziel – Mit einem renommierten Künstler_in gut zahlendes Publikum anzulocken, gutes Programm für elitäre Gäste und Akteur_innen. Dabei gilt es traditionelle Kultur aufrecht zu erhalten und die bestehende Gesellschaftsordnung zu bestätigen.
Nachhaltigkeit – im Tourismus eine Wertung zu erlangen und ein Ansehen in der mächtigen Gesellschaft/Fördergebern.
Die Grundfragen und die Zielsetzung erfolgen auf kapitalistischen Grundlagen und sind gewinnorientiert.
Organisationsstruktur – Firmenähnlicher Aufbau, es gibt einen festen Satz dauerhaft angestellter Arbeitskräfte. Für die jeweilige Produktion werden noch bedarfsweise zusätzliche Hilfskräfte beschäftigt. Künstler_innen werden angeheuert und bezahlt – sie bekommen oft sehr hohe Gagen. Repräsentationskultur arbeitet profitorientiert.
Inhalte – bekannte Stücke/Kunstwerke, bekannte Künstler_innen; Künstler_innen, die repräsentative, aktuelle Inhalte über eine künstlerische Tätigkeit transportieren.
Publikum/Öffentlichkeit – ein eher elitäres Publikum oder jene, die so gesehen werden wollen. (oftmals befinden sich im Publikum in der Öffentlichkeit stehende Personen, Politiker, „wichtige“ Personen, es gilt sehen und gesehen werden!
Die Öffentlichkeiten sind vielfach: medial (Ankündigungen als auch Besuch von Premieren werden meist medial aufgearbeitet), räumlich (für mich gehören Theater, Museen, Galerien, etc. zum öffentlichen Raum), personell (die dort auftretenden Personen stehen oftmals schon im Licht der Öffentlichkeit).

Eventkultur – Spektakelkultur
…ist ein „kulturelles“ Ereignis, das zu einem Event/Spektakel gemacht wird, bzw. als solches verkauft wird (Bsp. Euro 2008, Musikfestivals). Sie bedienen Massen – im Sinne von eine „höhere“ Instanz füttert den Pöbel.
Obgleich Spektakelkultur wahrscheinlich nur der ältere Begriff ist, kann ich für mich Event- und Spektakelkultur nicht ganz als das gleiche definieren. Spektakelkultur bietet für mich zusätzlich die Möglichkeit sich durch Subversion (Bsp. Umkehrung der gesellschaftlich zugeteilten Rollen) zu entziehen: Alles ist erlaubt, ähnlich wie im Karneval nach Bachtin. Es passiert zwar alles in einem zeitlich abgesicherten Rahmen – Form und Ablauf sind vorgegeben, der Inhalt – das Verhalten der Einzelnen ist jedoch nicht kontrollierbar. Spektakel ist für mich mit mehr Interaktion verbunden, im Gegensatz zum Event, das viel restriktivere Regeln vorgibt.
Somit gehe ich im Folgenden eher auf Eventkultur ein:
Grundfrage – welche Künster_innen, Aktionen locken die meisten Menschen an? Wie kann möglichst viel Geld eingenommen werden?
Ziel – der wirtschaftliche Gewinn. Hoher Konsum der Besucher.
Nachhaltigkeit – ist nur auf wirtschaftlicher Basis/finanziell und das Prestige/die “Coolness“ unter dem meist jungen Publikum.
Organisation – Eventmanager sind für die Organisation und den Ablauf der Veranstaltung verantwortlich, beschäftigen für die Zeit zusätzliches Personal. Sponsoren sind große Geldträger, die die Veranstaltungen wiederum als große Werbefläche für ihre Kunden_innen nutzen. Vertrieb von Speisen und Getränken unterliegt oftmals nur der Eventorganisation und/oder der Verzehr wird in einem gewissen Maß „erzwungen“ (Bsp.: Festivals, keine Mitnahme von Getränken/Wasser!/Essen etc.)
Inhalte – verschiedene meist recht bekannte Künstler_innen, die für hohe Gagen eingekauft werden, diverse Möglichkeiten der Aktion und Partizipation.
Publikum – Es sind Massen, die hier angelockt werden, – das gemeine Volk. Der größte Teil wird sicher von jungen Menschen gebildet, prinzipiell ist es für alle Altersklassen und Interessensgruppen offen.
Öffentlichkeit – es wird/werden eine sehr breite Öffentlichkeit/~en angesprochen: Massen des Publikums, mediale Bewerbung im Vorfeld (Flyer, Radioberichte, Printmedienankündigungen, Internet, etc.) und die Berichterstattung im Nachhinein (Radioberichte, Printmedienberichte, Internet, etc.)  Wissen einer breiten Öffentlichkeit, breiter Werbeträger für verschiedenste Firmen, etc.

Eventkultur

Der, das Event bedeutet soviel wie (öffentliches) Ereignis, Veranstaltung auf jeden Fall verbunden mit Erlebnisqualität. Das Wort an sich eist ein Lehnwort aus dem Englischen (event) und hat sich als Begriff für Veranstaltungen in unserer Erlebnisgesellschaft etabliert in der jede Betriebsfeier, jede Verkaufsmesse und jede Party als Megaevent bezeichnet wird.
Die Eventkultur stellt eine Kultur der inszenierten Ereignisse dar, die nach medialer Verbreitung verlangen (es scheint als sei es der Versuch, Euphorie zu steigern) und kommt irgendwie einer kollektiven Anstrengung nahe, die „Realität“, die „wirkliche Welt“ oder irgendwie das „Unglück“ auszuschließen.

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Event- und Spektakelkultur

„Wenn das Fest zur ganzen Wirklichkeit wird und die ganze Wirklichkeit zum Fest werden soll – zum einen einzigen Alleinfest: zu jenem absoluten Moratorium des Alltags, das weder den Alltag noch andere Feste neben sich duldet und nur noch Ausnahmezustand ist –, geht es nicht gut. Es kann daraus nichts menschlich Aushaltbares werden, denn wer – und das wäre ja die Intention dieses absoluten Festes – die Erde zum Himmel machen will, macht sie zuverlässig zur Hölle. Es gibt in unserer Welt diesen Hang zum totalen Moratorium des Alltags, zum totalen Fest; und weil es ihn gibt, darum muss man sich ihm widersetzen.“*
Charakteristisch für die Event- und Spektakelkultur ist, das es sich hier um eine Breitenkultur handelt, das heißt um eine Kultur, die sich nicht auf Eliten beschränkt, sondern die viele Menschen – die Massen – erreicht.
Der primäre Zweck dieser Kultur besteht darin zu unterhalten und Spaß zu machen. Es handelt sich um eine Kultur, die aus einmaligen – bzw. aus einmal inszenierten – Ereignissen, oder aus periodisch wiederkehrenden bzw. stetig konsumierbaren Erlebnisangeboten besteht – im Mittelpunkt steht das Erlebnis, und damit etwas Vergängliches, Kurzzeitiges.
Es ist ein kommerzialisierte Kultur, die jeweiligen Ereignisse oder Erlebnisangebote sind nach den Gesetzen des Marktes orientiert, sie sind auf optimale ökonomische Verwertbarkeit ausgerichtet – sie sind Waren, mit denen ein möglichst großer Profit erwirtschaftet werden soll.
Die Eventkultur markiert ihren Beginn in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das Jahrzehnt in dem viele Formen von Event- und Spektakelkultur entstanden sind oder sich durchsetzten: Talkshows, Erlebnisgastronomie, Erlebnistourismus, Love Parade, Fitness- Welle, Fun-Sport, Wellness-Boom, Reality-TV, Video-Clips, Chat-Rooms, Börsen-Hype und vieles mehr.

*Odo Marquard, Moratorium des Alltags. Eine kleine Philosophie des Festes (1987), in: Ders., Skepsis und
Zustimmung, Stuttgart 1994, S. 66.

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