Als ich die frei wählbaren Begriffe unserer Kulturtheorie Glossarliste das erste Mal gelesen habe, fiel mir Cultural Jamming auf, weil ich es vorher noch nie gehört hatte. Letztens bin ich aber über eine Rezension von Kalle Lasns Buch namens Culture Jamming gestolpert und dachte mir, hoppla, da ist es schon wieder.
Jetzt hab ich mal im Internet „nachgeschlagen“:
Der Begriff „Culture Jamming“ wurde von der US-amerikanischen Avantgarde-Band Negativland geprägt. „Jamming“ bedeutet wörtlich eigentlich „Störgeräusche“. Man benutzt vorhandene Codes und gibt ihnen eine neue Bedeutung mit relativ geringen Eingriffen. Meistens haben diese Codes etwas mit Ökonomie und Macht zu tun. Ein einfaches Beispiel: Man nimmt z.B. das Logo der Firma Shell und lässt einfach das „S“ weg. Was bleibt ist „Hell“, was u.a. auf die klimaverändernden Machenschaften der großen Ölkonzerne anspielen soll. Naomi Klein schreibt in ihrem Buch „NO LOGO“ gutes Jamming würde eine „tiefere Wahrheit“ hervorbringen. Das vielleicht ältestes Beispiel von „Culture Jamming“ ist Marcel Duchamps „Mona Lisa“ mit Schnurrbart von
1919.
Paolo Pedercini vom Mailänder Programmiererkollektiv Molleindustria beschreibt Culture Jamming so: „Heutzutage hat die Werbeindustrie durch Techniken wie Guerilla Marketing ihre Grenzen außerhalb des traditionellen Instrumentariums verschoben.
Culture Jamming muss dieser Evolution folgen. Die neuen Arbeitsfelder heißen: Videospiele, Product Placement und Street Marketing.“
Molleindustria entwickelt Videospiele, wie zB das McDonaldsvideogame: Das Spiel handelt nicht nur von McDonalds, sondern von der gesamten Fast-Food-Industrie. Es ist eine Simulation der versteckten Prozesse, die der Fast-Food-Industrie inhärent sind. Der Spieler muss die Firma leiten und zwischen einer Menge Möglichkeiten auswählen um die Herstellung der McDonalds-Produkte vom Weideland bis zu ihrem Markenimage zu kontrollieren. Tuboflex, ein anderes ihrer Computerspiele behandelt die zunehmende Flexibilisierung und Prekarisierung der Arbeit. Das Spielprinzip besteht darin, zu versuchen, den Arbeiter in dieser außer Kontrolle geratenen Arbeitswelt am Leben zu halten, was ziemlich nah an der Alltagsrealität der prekär Beschäftigten ist.