Werktreue

Unter Werktreue versteht man die Interpretation einer Vorlage im Sinne des/der AutorIn. Dahinter stand gerade im 19. und 20. Jahrhundert ein idealisierter AutorInnenbegriff, der die SchöpferInnen des Werks als Genies „romantisierte“. Erst seit den 1960er Jahren wurde an dieser Vorstellung Kritik laut. Einen wissenschaftlichen Paradigenwechsel brachte in den 1990er der so genannte „performative turn“, der nicht mehr von einem abgeschlossenen Werk ausgeht, sondern das Ereignis der Rezeption in den Vordergrund stellt.

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Collage

Der Funken der Collage-Technik ist vom Bereich der Bildenden Kunst auf die anderen Kunstbereiche übergesprungen: Gefundenes Material (vgl. Found Footage) aus verschiedenen Quellen wird neu zusammenfügt, verfremdet und durch die assoziative Zusammenschau werden ungewohnte Sichtweisen provoziert. Die Philosophie der Postmoderne hat auch im künstlerischen Bereich zu einer Abkehr vom Innovations- und Fortschrittsdenken geführt und stattdessen auf eine Rekombination vorhandener Ideen fokussiert. Die dahinter liegende pluralistische Perspektive verbindet verschiedene Traditionen und lässt in der Regel den BetrachterInnen unterschiedliche Interpretationen offen.

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Found Footage

Found Footage stellt ein Genre der experimentellen Filmproduktion dar, das teilweise oder ganz auf bereits vorhandenes Filmmaterial zurückgreift. Zentral ist der Aspekt der Verfremdung, der den Bildern (Tönen) eine neue Bedeutung gibt, und insofern über das Zitat und das ursprüngliche Werk hinausgeht. Neben der Montage, Materialmanipulationen und Neuvertonungen spielen auch veränderte Wiedergabebedingungen eine wichtige Rolle. Das Spektrum reicht von geänderten Abspielgeschwindigkeiten bis hin zu Projektionen im öffentlichen Raum, der so mit Bedeutung aufgeladen wird bzw. umgekehrt das Filmmaterial neu interpretieren lässt. Eine neuere Entwicklung im Found Footage-Bereich ist „VJing“, wo Bild- und Filmmaterial live remixt wird.

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Erwerbsarbeit

Das klassische industriegesellschaftliche Vollbeschäftigungsmodell mit klaren Arbeitszeiten, -orten, -verträgen und der Norm lebenslanger Ganztagsarbeit verliert zunehmend an Bedeutung. Die wachsende Deregulierung führt zu einer Ausdifferenzierung der Beschäftigungsformen mit ambivalenten Folgen. Negative Auswirkungen treffen vor allem Menschen, die – oder von denen man glaubt, dass sie - den Anforderungen an das „Hochleistungssystem“ (Peter Hartz) aus irgendeinem Grund nicht gerecht werden können. Tendenziell steigen die Risiken und die Unsicherheiten für Erwerbstätige. Der Druck im Erwerbsleben zu Bestehen ist, vor dem Hintergrund gestiegener Lebensstandards, gesellschaftlicher Erwartungen und mangelnder sozialer Absicherungen, für jedeN EinzelneN hoch.

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Mythos

Roland Barthes charakterisiert in Mythologies (1957) Mythen als ideologische Botschaften, die Geschichte in Natur verwandeln. Mythen laden Zeichen mit neuen, motivierten Bedeutungen auf. Der ursprüngliche Sinn eines Zeichens mit seiner Entstehungsgeschichte tritt in den Hintergrund und wird von der neuen Meta-Bedeutung überlagert, die das neu gestiftete Zeichen zugleich als Beweis repräsentiert. Und obwohl Mythen nicht beständig sind, selbst der Geschichte unterliegen, verweigern sie sich in ihren Festschreibungen jeder Geschichtlichkeit und behaupten ewige, widerspruchsfreie Fakten. Den Zweck der Mythen identifiziert Barthes im Wunsch des Bürgertums das gesellschaftliche Rad der Zeit anzuhalten und bestehende Machtverhältnisse unhinterfragt zu lassen.

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Race, Class, Gender, Queer-Studies

Race, Gender und Queer-Studies beschäftigen sich mit zugeschriebenen sozialen Ungleichheiten, die sich auf biologische oder quasi-natürliche Merkmale beziehen und als Außenzuschreibungen individuell nicht beeinflussbar sind. Ähnliche Effekte ergeben sich durch die wirtschaftlich-soziale, aber auch kulturelle Determinante „Besitz – Besitzlosigkeit“, mit der sich die Class Studies auseinandersetzen. Zentrale Themen dieser vier sozialwissenschaftlichen Teilbereiche sind die Erforschung von Entstehungsursachen, Reproduktionsprozessen und Folgen von Diskriminierungen, strukturellen Benachteiligungen, Machtasymmetrien, mangelnden Partizipationsmöglichkeiten und fehlender Repräsentation. Ein traditionelles Charakteristikum der Ungleichheitsforschung ist, dass Lösungsansätze zur Aufhebung der analysierten Ungleichwertigkeiten mitgedacht werden. Die Bandbreite reicht von reformerischen Ideen, die eine Änderung des bestehenden Gesellschaftssystems anstreben, bis hin zu revolutionären Ansätzen, die das unterdrückende Regime an sich in Frage stellen.

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Öffentlichkeiten

Öffentlichkeiten ist ein Begriff, der sich in “der” Öffentlichkeit noch nicht breitenwirksam durchgesetzt hat. Selbst in der deutschsprachigen Ausgabe der Online-Enzyklopädie Wikipedia wurde bisher nur die singulare Form definiert. Immerhin gibt es ein Verweis auf den Begriff „Gegenöffentlichkeit“ (wieder in der Einzahl!), der wenig ausführlich in fünf kurzen Sätzen abgehandelt wird. Die Definition von „public“ ist auch in der englischen Wikipedia-Version schnell abgehandelt, zumindest findet sich hier abschließend folgendes Zitat: “There is no single public, but different levels of public based on differing levels of interest and ability“.

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Partizipation

Partizipation bezeichnet den Zugang zu gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen und die aktive Mitgestaltung von Entscheidungen. Idealerweise variiert der Grad der Mitsprachemöglichkeit nach dem Grad der Betroffenheit. Voraussetzung für eine gleichberechtigte Beteiligung und Mitbestimmung ist, dass Wissen, Artikulationsfähigkeiten und Entscheidungsbefugnisse ebenfalls gleichrangig verteilt sind und zugänglich gemacht werden. Echte Partizipation erhöht nicht nur die individuelle Zufriedenheit, sondern hat durch die wertschätzende Form der Zusammenarbeit eine stark integrative Wirkung.

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Gender

Der Begriff Gender konstituiert sich in Abgrenzung von und aufbauend auf die biologische Kategorie Geschlecht, die ab Mitte des 18. Jahrhunderts von der anthropologischen und medizinischen Wissenschaft verwendet wurde, um soziale Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern neu zu begründen und als naturgegeben festzuschreiben. Auch in feministischen Theorien wird Geschlecht als zentrale Strukturkategorie gesellschaftlicher Machtverhältnisse identifiziert, ohne die Natürlichkeit sozialer Ungleichheiten anzuerkennen. Der Gender-Begriff spiegelt diesen Wandel wider, indem er die soziale und historische Bedingtheit der gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse in den Vordergrund rückt und damit auch die emanzipatorische Forderung nach Chancengleichheit. In Zeiten fragmentarischer Identitätskonstruktionen wird der zentrale Stellenwert von Geschlecht, auch im Sinne von Gender, als zu stark vereinfachendes Erklärungsmodell gesellschaftlicher Wirklichkeiten problematisch, wenn andere zentrale biografische Aspekte unberücksichtigt bleiben. Neuere Ansätze der Identitätsforschung gehen in Richtung selbstreflektiver, temporärer Identitäten und erkennen die Differenz innerhalb von Identitäten an, ohne sich von Konzept der Identität und den implizierten gesellschaftspolitischen Forderungen gänzlich verabschieden zu müssen.

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Feminismus

Feminismus ist ein Überbegriff für eine Vielzahl von gesellschaftskritischen Theorien und Protestbewegungen, die mit der untergeordneten Rolle der Frauen in der bestehenden Gesellschaft unzufrieden sind. Die konkreten Kritikpunkte und Zielvorstellungen fallen entsprechend den dahinter liegenden ideologisch-politischen Weltbildern sehr weit auseinander, sodass es nicht zulässig ist von nur einer feministischen Theorie respektive Praxis zu sprechen. Einflussreiche Strömungen sind der Gleichheitsfeminismus, der eine Gleichstellung von Frauen und Männern anstrebt, der Differenzfeminismus, der die Unterschiede zwischen den Geschlechtern betont und umwertet und der dekonstruktive Feminismus, der die dichotome Kategorie Geschlecht als die Wirklichkeit verkürzendes Konstrukt ablehnt.

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Politische Kulturarbeit

Politische Kulturarbeit ist gesellschaftsverändernde Kulturarbeit, die

  • Ungerechtigkeiten aufzeigt und fordert diese zu beseitigen,
  • Machtstrukturen in Frage stellt,
  • Grenzen aufbricht,
  • minoritäre Sichtweisen vermittelt,
  • Verständnis schafft,
  • Zugänge öffnet,
  • Wissen vermittelt,
  • Alternativen aufzeigt und
  • dabei die eigenen Bedürfnisse und die Selbstreflexion nicht vergisst.
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Kulturpolitik

Kulturpolitik legt die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen innerhalb derer Kunst und Kultur stattfinden können fest. Demokratisch verfasste Gesellschaften garantieren hier Freiheitsgrundrechte, die in der Regel als klassische Abwehrrechte konstitutionell verankert sind. Dahinter steht ein offener Kulturbegriff, der sich selbst einer einengenden Definition und Begriffsfestlegung in Gesetzesform verwehrt und folglich in der politischen Praxis große Handlungsspielräume frei lässt. Nachdem der Bereich Kunst und Kultur stark von aktiver Förderung und direkten Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln abhängt, gibt es hier viele Mechanismen, die der staatlichen Kulturpolitik sowohl sachlich begründete als auch ideologisch motivierte Schwerpunktsetzungen ermöglichen. Transparenz in der Vergabe öffentlicher Mittel ist wünschenswert, um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zur Kontrolle einzuräumen.

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Eventkultur – Spektakelkultur

Eventkultur sucht das große Publikum, wobei der unterhaltende Aspekt der Kultur oft in den Vordergrund gestellt wird. Die Organisation erfolgt meist privatwirtschaftlich. Anders als der Bereich der Initiativen Kulturarbeit erfährt dieser Bereich aufgrund der hohen Breitenwirksamkeit sofortige politische Anerkennung und kann schnell mit beträchtlichen Subventionszuwendungen rechnen.

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Repräsentationskultur

Repräsentationskultur umfasst die Zweige traditioneller Kultur, über die ein hoher politischer Konsens besteht, dass es sich um förderungswürdige Bereiche handelt und die dementsprechend mit hohen Subventionen rechnen dürfen. Die Verwaltung erfolgt oft im staatsnahen Bereich und ist an bürokratische Organisationsstrukturen geknüpft. Neuerungen werden über das autokratische IntendantInnen-Prinzip integriert.

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Initiative Kulturarbeit

Initiative Kulturarbeit erwacht meist aus dem Bedürfnis einem vor Ort festgestellten Mangel an (Sub-)Kultur entgegenwirken zu wollen und lässt die „Bedürftigen“ selbst aktiv werden. Initiative Kulturarbeit ist demnach nicht uneigennützig (nur in dem Sinn, dass kein wirtschaftliches Interesse dahinter liegt). Am Anfang stehen hier meist mühsame Rechtfertigungs-, Anerkennungs- und Ressourcenkämpfe, bei denen es nicht zuletzt darum geht die Autonomie und die Motivation zu bewahren.

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