Migration

(lat. migratio: Auswanderung, Wanderung)
Migration ist ein Sammelbegriff für Wanderungen von Individuen oder Gruppen geworden, die zeitlich begrenzt oder dauerhaft von einer Gesellschaft, Ethnie und/ oder Religion in eine andere wechseln.
In ihrer klassischen Form gründet sich Migration auf der Bindung an einen vermeintlich homogenen „Kultur“bestand mit abgegrenzten kollektiven Identitäten. (siehe Ethizität). Der Wechsel von einem Kulturraum in den anderen erscheint daher problematisch, Integration und Assimilation sind daher als einzige Lösungsvorschläge angeboten.
Die Migrantin galt lange als Repräsentantin einer doppelt Ausgeschlossenen: als Fremde und als Frau. Die Türkin als „Meta-Erzählung Migration“ zieht seltsame Wahrnehmungsformen auf sich, die von der Umkehrung orientalischer Sichtweisen bis zur Reduktion auf das Kopftuch als Zeichen vermeintlich fundamental islamischer Einstellung reichen. In der neueren Forschung wird auf die signifikanten Unterschiede der Migrationserfahrungen von Frauen hingewiesen.

Ein Beispiel Migration in der Kulturarbeit: „MAIZ – ein Verein von und für Migrantinnen mit dem Ziel, die Lebens- und Arbeitssituation von Migrantinnen in Österreich zu verbessern und ihre politische und kulturelle Partizipation zu fördern. Aus unserer eigenen Betroffenheit heraus haben wir 1994 mit anderen Migrantinnen begonnen, unsere Situation in Österreich zu analysieren und uns für eine rechtliche und soziale Besserstellung von Migrantinnen, insbesondere von Migrantinnen in der Sexarbeit – Betroffene von Frauenhandel oder auch nicht – einzusetzen. Wir treten gegen den sex-and-tear-Voyeurismus österreichischer Medien und die Entpolitisierung der Situation der Migrantinnen durch eine „Kultur der Hilfe“ auf. Als Betroffene und Protagonistinnen zugleich bestätigen die beteiligten Frauen die Fähigkeit von Minderheiten zur Selbstorganisation.“ www.maiz.at, 14.4.2008

Begriffsverweis: politische Kulturarbeit.

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Ethnizität

(gr. ethnos: Volk)
Ethnizität bezeichnet Praktiken (Sprache, Religion, …) und Denkweisen, durch die sich eine Gemeinschaft von der anderen unterscheidet und sich damit als eine Gemeinschaft konstituiert (bestimmt wird). Ethnizität kann auch eine Rolle für die Identitätskonstruktion von Individuen spielen. Darüber hinaus bedeutet Ethnizität, ähnlich wie der Begriff des Geschlechts, eine gruppenspezifische Zuschreibung von vermeintlich eindeutigen, biologischen Merkmalen. Unterscheidungen solcher Art sind oft mit der ungleichen Verteilung von Ressourcen und Macht, aber auch mit geschlechtsspezifischen Stereotypen verknotet. Ethnos bezeichnete ursprünglich Gruppen, die ausserhalb der grischischen Polis (Stadtstaat) lebten. Ethnizität basiert auf der Konstruktion von Identität(eigene) und Alterität (andere), von Ein- und Ausgrenzung.
Besonders im Zusammenhang mit Kolonialismus und Imperialismus, wurde und wird Ethnizität einerseits zu einem positiven Merkmal der Entwicklung nationaler Identität, aber andererseits und gleichzeitig auch zu einem negativen Ausgrenzungskriterium. Zum Beispiel die Beurteilung anderer Gruppen nach der meist höher bewerteten eigenen Ethnizität. Ethizität und Geschlecht verbinden sich zu komplexen Ausschliessungs- und Diskriminierungsmechanismen. (G. Ch. Spivak, dt. 2000, org. 1985). Als analytische Kategorie versucht Ethnizität Ungleichheits- und Differenzstrukturen kritisch zu hinterfragen. In diesem Sinn ersetzt Ethnizität den nationalsozialistisch missbrauchten Begriff Rasse und den Begriff der Ethnie. Ethnizität bezeichnet die soziale und kulturelle Konstruiertheit von ethnischen Gruppenidentitäten sowohl in der Selbst- wie auch in der Fremdwahrnehmung (Was ist fremd?). Lange Zeit wurde zum Beispiel über die Konstruktion von „schwarz sein“ diskutiert, während „weiß sein“ und die darin inbegriffenen Herrschaftsmuster unberücksichtigt blieben.
Ethnizität wird somit nicht mehr nur als ein Merkmal von Individuen verstanden, sondern als eine Herrschaftsstruktur (wie auch im antiken Griechenland), die gesellschaftlich, ökonomisch und politisch institutionalisiert ist. Als zentrales Konzept in den Postkolonial Studies bezeichnet es dort die Neubewertung abgewerteter Ethnizitäten bzw. kultureller Identitäten im kolonialen Herrschafts- und Dominanzgefüge. (Ethnisierung, Gesellschaft, Identität, Kultur)

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . 1 Kommentar »

Identität

(lat. idem: diesselbe, derselbe, dasselbe)
Identität bezeichnet einen Zustand der Übereinstimmung und Gleichheit. Er wird in der Soziologie im Sinne von sozialer Identität oder Gruppenidentität, in der Psychologie im Sinne von persönlicher Identität oder Ich-Identität sowie in der Kulturwissenschaften und -theorien im Sinne von kultureller oder auch ethischer
Identität verwendet. Im Grunde geht es um ein Wechselspiel zwischen Individuum und Gesellschaft und
der Frage, inwieweit kulturelle Traditionen und Normen, wie (Geschlechter-)Rollen, die Entwicklung und Verwirklichung einer persönlichen Identität bereits abgrenzen und bestimmen.
Konzepte von Identität und Gleichheit strukturieren sich stets über Differenz. Identität und Differenz sind sozusagen gegenseitig voneinander Abhängig. Identität setzt sich zum Beispiel für Theresa de Lauretis sprach- und kulturübergreifend durch heteronome (Fremdbestimmtheit, in Abhängigkeit zu fremden Einflüssen) Repräsentationen von Geschlecht, Ethnizität, Klassenzugehörigkeit, Nation, Alter, etc. zusammen. Judith Butler definiert Identität in Anlehnung an Foucault als Effekt von Diskursen und eine Praxis der Signifikation (Bedeutung, Bezeichnung). Mit diesem Ansatz lassen sich selbst feministische Debatten um Identität als Inszenierung von Identität und somit als Strategie einer Identitätspraxis oder -politik (Kulturarbeit) verstehen, die Identität gleichzeitig unterwandert und rekonstruiert. Identität als fortlaufender Prozess der Selbstinszenierung wird mit der Perspektive der Globalisierung relativiert und neu mit der Frage ethischer Verantwortung verknüpft.

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Politische Kulturarbeit

„Ein zentrales Merkmal der politischen Kulturarbeit charakterisiert sich durch das Engagement für eine gleichberechtigte und sozio-kulturell diversifizierte Gesellschaft. […] Politische Kulturarbeit ist schließlich grenzüberschreitend, durchdringt alle Bereiche der Gesellschaft und entwickelt Gegenmodelle zu bestehenden Geschlechterkonstruktionen, nationalstaatlichen Modellen und sozialen Hierarchien.“ (IG- Kultur Österreich, Kulturarbeit und Politischer Antirassismus, 16.12.2003)
Ich zitiere eine Text von Vlatka Frketic: „Auf der Homepage der IG Kultur Österreich ist ein Antirassistisches Positionspapier zu finden, in dem politische Kulturarbeit konzeptualisiert und die Etablierung des politischen Antirassismus als integraler Bestandteil der Kulturarbeit formuliert wird. Und damit auch eine unverwechselbare Fachidentität, die sich von anderen Formen der Kulturarbeit abgrenzt. Mit diesem Positionspapier wird implizit konkretisiert, welche Bereiche migrantischer Kulturarbeit aus der Kulturarbeit im Sinne einer politischen Kulturarbeit ausgeschlossen werden – so ist etwa Folklore tabu.
[…] Ich möchte zum Abschluss zwei Beispiele politischer Kulturarbeit von Migrantinnen abseits national festgelegter Räume herausgreifen, die antirassistisch, anti-diskriminatorisch, anti-heteronormativ und ermächtigend wirksam geworden sind und in ihrer Prozesshaftigkeit immer noch Aktualität besitzen. Die Feministischen Migrantinnen Wien und die Lesbischen Migrantinnen haben durch eine u.a. queere Lesart von Migrationsprozessen versucht, Verbindungen zwischen verschiedenen Repräsentationen queeren Begehrens und politischer kultureller Praktiken herzustellen. Das Besondere and diesen beiden Selbstorganisationen ist, dass es keine ausschließliche Community-Bindung gab. So gut wie alle waren bzw. sind in verschiedenen Communities verortet, was einen grundlegenden Unterschied zu migrantischen Selbstorganisationen ausmacht, die auf gemeinsamer Sprache, nationaler bzw. regionaler Herkunft basieren.

1) Das Manifesto von FeMigra Wien wurde 2003 von mehreren politisch engagierten Migrantinnen in einem ersten Entwurf verfasst. Das Manifesto ist ein offenes und dynamisches Forderungskonzept, das sich je nach Bedürfnissen und politischen Umständen verändert bzw. unendlich erweiterbar ist. Das Manifesto wurde als Mittel für politische Performancearbeit (u.a. bei Soho in Ottakring 2004) und als Arbeitsmaterial bei verschiedenen Seminaren und Workshops verwendet. Forderungen sind u.a.: Honorierung und Anerkennung der unbezahlten Wissensvermittlung von MigrantInnen; Anerkennung von Asyl für Schwule, Lesben, Transgender. Der FeMigra-Film „Was ist eine feministische Migrantin?“ (vorgeführt 2004 in der Wiener Secession bei einer Veranstaltung des ai-Netzwerks Frauenrechte) war ein Schritt in Richtung selbstermächtigender Repräsentation abseits national und damit auch heteronormativ bestimmter migrantischer Kulturproduktion.

2) Die Lesbischen Migrantinnen (LesMAus – Lesbische Migrantinnen in Austria) haben 2003 den Film „Stay – Geh“ über lesbische Migrantinnen gedreht, welcher u.a. in Wien vorgeführt wurde. Die Visualisierung und Translation in diesem Filmprojekt wirkte hin zu einer Selbstermächtigung und war ein Versuch, queere Diaspora abseits national definierter Räume zu lesen.“ (Vlatka Frketic, in: kulturrisse 03/06)

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Initiative Kulturarbeit

Als Initiative (von lat. initium, Anfang) bezeichnet man den Anstoß zu einer Handlung oder den ersten Schritt zu eben dieser Handlung. Man kann in diesem Sinne die Initiative ergreifen oder aber die Initiative jemand anderem überlassen. Weiter gefasst wird der Begriff Initiative auch benutzt, um die Fähigkeit einer Person, aus eigenem Antrieb zu handeln, Entscheidungen zu fällen oder Unternehmungsgeist an den Tag zu legen, zu bezeichnen.
Kulturarbeit ist eine Schlüsselqualifikation für kulturvermittelnde und kulturproduzierende Tätigkeitsfelder im Nonprofit- und im Profit-Sektor. Kulturarbeit ist die Gestaltung gesellschaftlicher und ästhetischer Prozesse. Sie steht für professionelles Kulturmanagement von Institutionen und Projekten sowie die Kulturvermittlung auf der Grundlage eines breiten kulturwissenschaftlichtheoretischen wie betriebswirtschaftlich-praktischen Wissens. Initiative Kulturarbeit ist so Übersetzt also der Anstoß zu Handlung-en die gesellschaftliche und ästhetische Prozesse gestaltet. (siehe Gesellschaft, politische Kulturarbeit)

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Feminismus

(lat. femina = Frau). Feminismus begründet sich geschichtlich in der Identifizierung von Frauen als dem männlichen Geschlecht untergeordnete Gruppe. Als kleinste gemeinsame Definition kann das Aufbegehren von Frauen gegen ihre Unterdrückung, Marginalisierung, (soziale) Diskriminierung, (wirtschaftliche bzw. sexuelle) Ausbeutung gelten und ihr Bestreben nach einer Gleichstellung der Geschlechter in allen sozialen und kulturellen Bereichen.
Der Begriff hat sich in den 1890 Jahren entwickelt und wurde als Synonym von Frauenemanzipation verwendet.
Die beiden ersten Frauenbewegungen des 19. und frühen 20. Jhdt. werden auch als First Wave Feminism (Frauenwahlrechte) bezeichnet, die neuen Frauenbewegungen aus den USA, England (Wommen’s Libaration Movement) und der sich formierende akademische Feminismus werden als Second Wave Feminism bezeichnet. Die Institutionalisierung der Feminismus wurde seit Mitte der 1970er Jahre von wissenschaftlichen Zeitschriften wie Signs (USA, 1976), Questions Féministes (Frankreich, 1977), m/f (England, 1979) und Feministischen Studien (Deutschland, 1982) und unabhängigen feministischen Verlagen begleitet. Oft wurden die Women’s Liberation-Bewegung und der sich formierende akademische Feminismus mit dem radikalen Feminismus gleichgesetzt, der den Second Wave Feminism prägte.
Das Radikale im Feminismus kann auf zwei Arten interpretiert werden: Einerseits als eine Bewegung, die nach dem Ursprung (lat. radix: Wurzel) der Unterdrückung der Frauen sucht, andererseits bezieht sich die Radikalität auch darauf, das fundamentale Veränderungen in der Gesellschaft angestrebt werden, und auch Geschlechterrollen an sich als Ursache und Zusammensatzung der Unterdrückung der Frauen angesehen werden.
Zwei Grundlegende Positionen können weiters ausgemacht werden: die erste geht von einer grundsätzlichen Gleichheit von Mann und Frau aus, die zweite von einer Differenz zwischen den zwei [sic] Geschlechtern.
In Anlehnung an Simone de Beauvoir „Man kommt nicht als Frau zur Welt man wird es“ (Das andere Geschlecht, 1951) wurde Anfang der 1970er Jahre mit der Trennung von sex und gender diese Differenz nicht als eine biologische, sondern als eine soziale und kulturelle Differenz beschrieben.
Der dekonstruktive Feminismus (ab Mitte der 1980er Jahre) stellt den Gegensatz von sex als biologischem Geschlecht und gender als kulturellem Geschlecht in Frage und verweist auf die kulturelle Konstruktion des biologischen Geschlechts (Butler, 1991). Die Kritiken des dekonstruktiven Feminismus an der Positionalität und der Partialität (Teil) stützen sich auf Interventionen des lesbischen Feminismus, der Women of Color und der Working Class Women. Es werden Differenzen der einzelnen Homogenisiert die letztlich auf einen „Imterialismus“ der „weißen Mittelklasse-Frauen“ hinausläuft. Der Annahme der Unterdrückung der Frauen als Vorannahme im radikalen Feminismus, die Geschlecht als entscheidende Kategorie setzt, kann mit der Kritik eines jeden autonomen, handlungsmächtigen Subjekt in Frage gestellt werden. Dazu muss es allerdings autonome und handlungsmächtige Identitäten = Subjekte geben.
Wichtig in diesem Sinne ist, die „Einmaligkeit“ jeder Erfahrung zu betonen aber auch eine Gemeinsamkeit von Frau-en als politischen Ausgangspunkt herzustellen, von dem aus frau/man oder der Feminismus Geschlecht, Geschlechterrollen und Geschlechterverhältnisse in Frage stellt/stellen kann.

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Medien

(lat.medius = das Mittlere, der Vermittelnde). Medien sind demnach VermittlerInnen von etwas durch etwas (Medium) an jemanden. Eine Einleitung zu Medienwissenschaften: „Wie immer man sich der Bestimmung was Kultur sei, annähert, eines ist in den Entwicklungen der Moderne deutlich zu Tage getreten: In keinem Fall ist Kultur denkbar ohne Medien.“ (Nun die Medienwissenschaften müssen das so schreiben)
Medien sind nicht auf Repräsentationsformen wie Theater und Film, nicht auf Techniken wie Buchdruck und Internet, nicht auf Symbole wie Schrift, Bild oder Zahl reduzierbar und doch in alle dem enthalten und bedeutsam.
Medien vermitteln oder speichern nicht nur sondern sie strukturieren diese Informationen auch. „The medium ist the message“ [Marshall McLuhan]. Das Medium ist die Botschaft, das Medium bestimmt unsere Lage oder das was wir wissen, wissen wir durch Medien.
Im Feld der Kultur sind wir mit so genannten „Medien-Ereignissen“ konfrontiert. Mit Ereignissen, die durch Medien kommuniziert werden. bzw, sich durch Medien kommunizieren und indem sich Medien selbst als gesonderte Ereignisse mit vermitteln. Medien machen hörbar, lesbar, sichtbar, wahrnehmbar, aber immer mit einer Tendenz selbst nicht wahrnehmbar zu sein. Demokratien im Zeitalter der Massenmedien: Internt, Fernsehen, Rundfunk, … (siehe Öffentlichkeiten).

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Öffentlichkeit-en

Öffentlichkeit-en bezeichnet im weitesten Sinne die Gesamtheit aller Umstände, die für die Bildung der öffentlichen Meinung von Bedeutung sind. Sozialwissenschaftliche Diskurstheorien verstehen darunter die Gesamtheit der potentiell an einem Geschehen teilnehmenden Personen. Im antiken Griechenland waren nach Hannah Arendt nur dem freien Bürger die Teilnahme an der Öffentlichkeit der Polis auf der Agora vorbehalten. Der freie Bürger, der die Lebensnotwendigkeiten des privaten Haushalts (Oikos) überwunden hat. Dieser Logik folgend ist ein arbeitender Mensch nicht frei, da er noch mit Lebensnotwendigkeiten beschäftig ist, welche dieser Freiheit berauben. Freiheit wird hier also nicht als Freiheit des Handelns im Sinne eines nicht vorhandenen Determinismus / Muss verstanden, sondern als ein Hintersichlassen der privaten Angelegenheiten. In Demokratien sind BürgerInnen durchaus arbeitende und mit Privatangelegenheiten konfrontierte Menschen. Fast alle dürfen das politische Leben der Gesellschaft mitbestimmen. Am auffälligsten beim Wahlrecht. Öffentlichkeit-en in Gestalt der öffentlichen Meinung-en spielen in demokratischen Gesellschaften daher eine wichtige Rolle, denn in ihr finden die (politischen) Meinungsbildung-en statt. Presse, Rundfunk und Internet sind wichtige Teile und Spiegel die Öffentlichkeit-en. In diesem Zusammenhang sind öffentliche Güter wichtig, die Öffentlichkeit-en überhaupt erst möglich machen. Gleichzeitig kommt nach Ansicht von Kritiker(inne)n den Öffentlichkeit-en jedoch auch eine wichtige Funktion bei der Herstellung (problematischer) Geschlechteridentitäten zu. Die Trennung bürgerlicher Gesellschaften (18. Jhdt) in private und öffentliche Räume geht demnach mit geschlechtsspezifischen Zuschreibungen einher, die Frauen den privaten und Männern den öffentlichen Raum zuweisen, so dass es oftmals zu einem Ausschluss von Frauen aus Prozessen der öffentlichen Meinungsbildung komme. In modernen Mediengesellschaften mit diesen Hierarchien führt die öffentliche Kommunikation zur Etablierung von Geschlechterhierarchien, die mit Mechanismen des Ein- und Ausschlusses einhergingen. In sich immer wiederholenden Kreisen, die jedoch performativ verändert werden können. (andere öffentliche(offizielle) Handlung – andere öffentliche Wirkung – andere öffentliche Bedeutung)

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Partizipation

Teilhabe an etwas. Partizipation (v. lat.: particeps = an etwas teilnehmend; zugehöriges Verb: partizipieren) heißt übersetzt ‘Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung, Einbeziehung. In der Soziologie bedeutet Partizipation die Einbindung von Individuen und Organisationen (sogenannte Stakeholder) in Entscheidungs- und Willensbildungsprozessen. Aus emanzipatorischen, legitimatorischen oder auch aus Gründen gesteigerter Effektivität gilt Partizipation häufig als wünschenswert. Partizipation kann die unterschiedlichsten Beteiligungsformen annehmen (z. B. Bürgerbeteiligung, Interessenverband, Politische Partei, initiative Kulturarbeit). Partizipation gilt als gesellschaftlich relevant, weil sie zum Aufbau von sozialem Kapital führen kann und dann soziales Vertrauen verstärkt. Was nur wenn das soziale Kapital nicht mehr in operative Kapital umgewandelt werden kann? (ähnlich symbolischem Kapital). In der Politik(wissenschaft) spielt Partizipation als politische Partizipation eine etwas andere Rolle: Darunter fallen alle Verhaltensweisen von BürgerInnen, die allein oder in einer Gruppe freiwillig Einfluss auf politische Entscheidungen auf allen Ebenen des politischen Systems ausüben wollen. Es werden konventionelle (verfasste, gesetzlich garantierte und geregelte) von unkonventionellen (nicht verfasste) Formen der politischen Partizipation unterschieden.
Die Definition des beteiligen Wollens fällt mir besonders ins Auge. Die derzeitige real-politische Situation verhindert auch oft die Teilhaben von zum Beispiel Frauen und MigrantInnen an Entscheidungsprozessen – auch wenn sie wollten. Dafür sind nicht nur die gesetzlich garantierten Formen verantwortlich, vielmehr ist es ein Spiel aus formellen und informellen Regeln die dies bestimmen und für bestimmte Gruppen erleichtern und für bestimmte Gruppen erschwert wird. In diesem Sinn ein etwas zwiespältiger Begriff. Spannend ist es noch die unkonventionellen Partizipationsformen zu untersuchen: Initiative Kulturarbeit, politische Kulturarbeit, Vereinstätigkeit, Demonstrationen, … und ihre Teilhabe an konventionellen Entscheidungen und Veränderungen zu bestimmen. Wer kann/darf in diesen Formen teilhaben und mitwirken? Sind kuchenbackende Frauen und migrantische Tellerwäscher in Vereinen partizipartorisch Beteiligte? Denn wenn alles Handeln partizipatorisch ist – irgendwie – dann tun wir uns schwer hegemoniale Herrschaftsverhältnisse dahingehend zu kritisieren.

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Eventkultur, Spektakelkultur

Ereigniskultur am Beispiel der Fußball Europameisterschaft 2008. Die EM 2008 hier in Österreich treibt oft seltsame Keime. Aber vielleicht waren die mir bekannten Menschen bereits davor (ohne es zu wissen) von Fussball- Sporen infiziert. Und nun da die EM unter anderem hier in Österreich stattfindet, haben diese Sporen einen fruchtbaren Boden gefunden und treiben ihr Myzel aus und machen aus ganz normalen Menschen – österreichische Fussballfans (Sprechchöre und Bundeshymne singen inbegriffen). Das Phänomen eines Events. Ereignisse die eine Handlung vorantreiben und die Menschen verändern, dadurch das man dabei ist. Da geht es nicht vorrangig um den Inhalt des Ereignisses, vielmehr um den emotionalen Zugewinn, den eine Person dabei erfährt: dicht gedrängt beieinander stehen, gemeinsam denselben Dingen zuklatschen. In einer sehr individualisierten Gesellschaft (siehe Gesellschaft) kann das schon eine verändernde, auch angenehme und positive Wirkung auf Identitäten ausüben. Zudem können auch von Männer ihre gesellschaftlich unterdrückte Homoerotik/ -sexualität stellvertretend ausleben, miterleben und geniessen. Kleiner Seitenhieb aus der feministischen Ecke. Wo sonst siehst du so viele ich umarmende und halsende Männerkörper? (siehe Gender). Und in diesem Sinn kann Fussball ja doch auch einen emanzipatorischen Inhalt tragen. (Anmerkung: Ich weiß – wahrscheinlich ist kein Sport homophober und rassistischer als Nationalmanschafts-Fußball). Abwenden vom Event hin zum Spektakel. Mir scheint es eine enge Verbindung zwischen Event und Spektakel zu geben. Das Event dient als Aufhänger um ein Spektakel daraus zu machen. Wobei das Spektakel von den einzelnen partizipativ genutzt wird – oder das Spektakel ist auf Partizipation ausgerichtet? Ich würde die Fussball EM als gereihte Events bezeichnen, und das „Theater“ das die Menschen um mich, darum herum aufführen als Spektakel. Womit die beiden Begriffe eine enge Verbindung aufweisen. Ohne Event kein Spektakel. Das Spektakel ist dann auch eher die Motivation ein Event zu besuchen. (siehe oben). Die eigene Involviertheit – oder das Vorspielen einer Dazugehörigkeit scheinen das Kernanliegen und der eigentliche Inhalt von Events bzw. dem folgenden Spektakel zu sein. Zugehörigkeit vermitteln, vorgaukeln und/oder tatsächlich spüren. Auch vermittelte oder vorgegaukelte Zugehörigkeit wirkt verbindend und ist somit ein wichtiger Integrationsfaktor: III-VIII-CA VAAASTIC – wir lieben dich. Oder besser „Einwanderungsbehörde“, wir lieben dich. [sic]

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Repräsentationskultur

Unter Repräsentation kann die Darstellung von etwas/jemanden durch etwas/ jemanden für etwas oder jemanden verstanden werden. Spannend wird das ganze wenn wir es in das Feld der Kultur stellen. Es gibt gesellschaftlich/kulturell festgelegte Regeln nach denen bestimmt wird was/wer durch was/wen für etwas/ jemanden dargestellt werden darf. Repräsentation spielt sich auf einem politischen System und dem System der Zeichen ab. Bei der Repräsentation bekommen bestimmte „Zeichen“ bestimmte Bedeutung zugeschrieben, bzw. kreieren diese. Der Mann auf dem Balkon mit der Flagge im Hintergrund repräsentiert zum Beispiel den Staat Österreich. Die für uns prägenden Entwicklungen (Ereignisse) gehen auf das 18.Jhdt. zurück. In dem durch die französischen Revolution, die Entwicklung der Wissenschaft(en) und der damit einhergehenden Entwicklung des Bürgertums, Repräsentationsformen für die heutige Zeit neu- und festgeschrieben wurden. (Verbreitung von (Schul-) Bildung und Büchern) Politisch repräsentiert (dargestellt) werden Gruppen/Individuen, die sich an Entscheidungen einer Gemeinschaft selbst beteiligen, bzw. andere Beauftragen für sie stellvertretend ihre Interessen zu vertreten. Im damaligen Wandel wurden die sich entwickelnden Staaten zwar als rechtsstaatliche Strukturen mit universal gültigen Werten legitimiert, jedoch wurden und sind in diesem Umbruch bestimmte Gruppen – wie auch schon davor – auf bestimmte Repräsentationen/ Repräsentationsformen fixiert worden. Zum Beispiel konnten Frauen auf die Rechte von Bürgern [sic], im Sinne einer politischen aktiven und passiven Mitbestimmung nicht mehr zugreifen, jedoch wurden weiblichen Figuren(Allegorien) zur Repräsentation dieser Rechte benutzt (Repräsentationskultur). Ich will mich hier nicht auf Frauen allein beschränken. Im Wandel der Zeit stellt sich für immer andere Gruppen die Frage der Repräsentation, wobei der Inszenierung von Geschlecht immer eine gesonderte Aufmerksamkeit zuteil werden sollte. Repräsentationskultur impliziert bereits einen prozesshaften Charakter, was ja irgendwie tröstlich scheint.
Da aber im Sinne performativer Prozesse gedacht wird, ist es auch Aufgabe einzelner, speziell in den Feldern der Repräsentation Tätigen (Kultur, Politik, Kunst, …), die Vielfalt und Prozesshaftigkeit kultureller Inszenierungen von (geschlechtlichen, ethnischen, …) Indentitäten im Blick zu nehmen, zu behalten und die eigenen Bilder im Sinne von „universellen“ Menschenrechten zu hinterfragen. Ja, (politische) Kulturinitiative für wen stehst du?

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Gender

Gender ist eine der sozialen Instanzen, die Menschen in einer Gesellschaft bestimmt und festsetzt. Der Begriff Gender wurde als Kategorie eingeführt um soziokulturelle Funktionen von Weiblichkeit und Männlichkeit im Unterschied zu den biologischen (sex) Geschlechtsmerkmalen zu unterscheiden. Gender ist demnach nicht begründet mit dem biologischen Geschlecht verknüpft, sondern stellt eine kulturelle Interpretation des Körpers dar, über die ein Individuum über eine bestimmte Geschlechtsidentität und Geschlechterrolle einen bestimmten Platz in der Gesellschaft zugewiesen bekommt. Mittlerweile hat sich auch in meinem Denken die Ansicht durchgesetzt, das auch das „biologische“ Geschlecht nicht als eine „natürliche“ und konstante Voraussetzung für das soziale Geschlecht fungiert. Sondern „Natur“ und „Sex“ bereits als historische Konzepte gesehen werden müssen, denn was zu bestimmten Zeiten als „natürlich“ gilt ist bereits in Kulturräumen bestimmter Gesellschaften festgeschrieben. (vgl. J. Butler, 1991, 1995). Gender bezeichnet also Bilder von Bedeutungen die bestimmten sexuellen Unterschieden zugeordnet werden. Es ist immer wieder zu Fragen, was als Geschlechtsunterschied wahrgenommen wird. Geschlecht (und Geschlechtsunterschied) besteht aus kulturell verfügbaren Bildern (rein, sensibel, stark, ehrgeizig, – daraus symbolische Figuren von Helden und Heldinnen). Diese Bilder werden durch „normative Konzepte“, die verschiedenen Geschlechtsidentitäten zugeordnet werden eingeschränkt. Diese Normen werden über soziale Institutionen weitergegeben, wiederholt und so gefestigt (Schule, Familie, Staat). Also die jeweils „individuelle Identität“ als Mann oder Frau ist Ergebnis von gesellschaftlichen Praktiken (Vergesellschaftung). Bestimmte Regeln der Wiederholung verfestigen also bestimmte Konzepte von Geschlecht als Resultat gesellschaftlicher Praktiken. Diese Ereignisse werden zwar über diese Regeln bestimmt können aber auch umgekehrt Regelverändernd wirken. Bsp.: Begriff „queer“ der sich von einem Schipfwort zu einem wissenschaftlichen Theorie entwickelte – vor allem im anglo-amerikanischen Sprachraum. Für den eingedeutschten Begriff trifft dies nur mangelhaft zu, da queer als Begriff hier nie dieselbe Bedeutung hatte. (siehe auch Performancetheorie / Bibliographie)

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Gesellschaft

Der Titel des Buches von Michel Foucault in dem „Gesellschaft“ vor kommt fällt ins Auge: „Wahnsinn und Gesellschaft“ eine Kulturgeschichte des Menschen (Mannes) im Umgang mit dem Abnormen. (Nicht ganz so würde Foucault das beschreiben) Individuen definiert sich hier in der Abgrenzung zum „anderen“ als Normal und bilden so eine Gemeinsamkeit der Norm, in weiterer Folge eine Gesellschaft.
Dieser Prozess beschreibt Vergesellschaftung, er macht aus Individuen Gesellschaftsmitglieder, indem er sie in unterschiedlicher Weise in den sozialen Zusammenhang integriert (oder negativ integriert – draussen lässt als Abgrenzung). Vergesellschaftung vollzieht sich klassen-, ethnie- und geschlechtsspezifisch, … und unterliegt sich verändernden sozial-historischen Bedingungen. Es gibt also „vermittelnde“ soziale Instanzen, die Individuen zu Gesellschaftsmitgliedern macht.
Grösstenteils bestimmen diese Instanzen auch die Norm der Gesellschaftsmitglieder: Alles Normale ist in der Gesellschaft, alles andere ist nicht in der Gesellschaft. Obwohl dies natürlich nicht stimmig ist in sich. Denn um sich als Norm definieren zu können, braucht es anscheinend das Abnorme, das dann also
Bestandteil der Norm sein muss. (Subkultur)
Einerseits wird über die Ver-Gesellschaftung eine Zugehörigkeit, der Zugang und die damit verbundenen Hierarchien einer Gesellschaft bestimmt andererseits je weiter eine Gesellschaft ausdifferenziert ist, desto mehr Individualität der Einzelnen ist möglich. Je loser die Bindung zur Gruppe, desto eigen. Gleichzeitig kann so auch eine Annäherung an „andere“, außerhalb stehende stattfinden. Die komplexen Mechanismen der Vergesellschaftung sind ein sich über die Ränder ausbreitendes und/oder definierendes Netzwerk, mit dem auch die Bestrebung der Integration beschrieben werden kann. In diesem Sinne sind wir KulturarbeiterInnen, EuropäerInnen und Erdbevölkerung. Warnende Anmerkung: Über diesen Prozess der Ver-gesellschaftung (als Wert definiert) entstehen dann – jenseits der Realität – mögliche Glücksgefühle. (lt. Georg Simmel, 1890).

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »

Kulturpolitik

Verstehe ich als Rahmenhandlung über Kultur. Kulturpolitik beschreibt Akte der Handlungen, die sich „irgendwie“ auf „Kultur“ auswirken. Auswirken insofern sie beschreiben: „Was ist Kultur“, „Wer hat Kultur“, „Wer tut Kultur“, usw. Rahmungen können jederzeit auch bearbeitet werden. Kulturpolitik beschreibt ein Feld des Handlungsrahmen und der Handlungsmacht innerhalb von Kultur-en. Das macht Kulturpolitik. Jene die politisch, zielgerichtet handelnd die Rahmungen von „Kultur“ bearbeiten sind kulturpolitisch Tätige. Ergo sum sind alle, die sich für kulturpolitisch tätig halten KulturpolitikerInnen. Als Staate Österreich sind dies Massen von Individuen, Vereinen und Institutionen, sehr viele BeamtInnen und MinisterInnen
wenige…
Oft wird auch verstanden, wenn Kultur gehandelt wird: „Wir haben eine schöne Kultur – sehr schön die Kultur. Wollen sie ein Stück davon?“ Ich hingegen bevorzuge die Handlungen, Deformationen und Kritiken am Begriff „Kultur“ als kulturpolitisch tätige zu beschreiben (siehe oben). Es ist nicht immer leicht Kulturpolitisch tätig zu sein. „Was ist Kultur/politik?“ – hängt auch von der Begriffsdefinitionen von Politik und Kultur ab. In diesem Sinne gibt Kulturpolitik Rahmen für gesellschaftlichen Beziehungen, Handlungen in/und kulturelle Räume vor. Kultur ist demnach auch ein Streitfeld in dem unterschieden wird, wer Kulturtätig sein darf und wer nicht: tätig um Rahmenhandlungen und Handlungsrahmen zu definieren. In Österreich sind das dann doch nicht alle, die hier leben. Dies führt weiter zu den Begriffen: Gesellschaft, Identität, Öffentlichkeit, Migration, Partizipation, usw.

Veröffentlicht in Roswitha_K. Schlagworte: . Kommentar schreiben »