Initiative Kulturarbeit, Repräsentationskultur und Eventkultur – Spektakelkultur unterscheiden sich, wenn sie im Verhältnis zueinander gesehen werden, durch: die Grundfrage/Zieldefinition einer Veranstaltung, durch die Organisationsstruktur und die auftretenden Akteure_Innen, durch die Inhalte, die sofern vorhanden, transportiert werden und durchs Publikum bzw. die „Größe“ und Art der erzeugten Öffentlichkeit.
Initiative Kulturarbeit
…Initiative ergreifen kulturell zu arbeiten.
„Es entsteht eine Idee, sie kommt auf, schnell, aus dem Boden, vielleicht aus dem Nichts – scheinbar. Ist plötzlich da versucht auf sich zu lenken, stellt sich anderen in den Weg, zwingt sie zu einer Betrachtung. Es liegt Freude in der Luft, Botschaften zu kreieren, Texte (im Sinne von Fiske), die gelesen werden können, aber nicht müssen. Diese Ideen, Bilder, Texte entstehen in einer Kultur, gliedern sich in sie ein, anpassend oder auffallend, jedenfalls stellen sie kulturell etwas dar. Sie sind bearbeitbar, von jedem/r einzelnen und sie sind erarbeitet. Das scheinbare Nichts beschreibt Prozesse, die nicht gerne gesehen werden wollen. Es ist Arbeit!“
Grundfrage – mit welcher_em Künstler_in können wir welche Themen aufgreifen in einem möglichst kleinen finanziellen Rahmen? Welche „kleinen“/unbekannten/regionalen Künstler_innen sollten mit einer Auftrittsmöglichkeit gefördert und unterstützt werden? Wie können die persönlichen Ideale der Initiator_innen für eine Gesellschaft verwirklicht werden?
Ziel – ist es Gesellschaftsverändernd zu wirken und Ungerechtigkeiten in der (Macht-)Verteilung sichtbar zumachen. Es sollen Künstler_innen aus den Regionen gefördert werden und ein Programm geboten werden, das aktuelle gesellschaftlich diskutierte Inhalte thematisiert und aufgreift.
Nachhaltigkeit – wird eher den Informationen zu gedacht, die transportiert werden, in der Hoffnung der weitläufigeren Zirkulation dieser. Dass Künstler_innen gefragter werden.
Organisation – Initiative Kulturarbeit passiert größtenteils auf ehrenamtlicher Basis und ist oft durch ein Geldproblem gekennzeichnet. Meist gibt es nur wenig fest angestelltes Personal. Da initiative Kulturarbeit oft von Vereinen veranstaltet wird, sind sie nicht gewinnorientiert und funktionieren nicht auf kapitalistischen Grundlagen. Sie bewegen sich frei von parteipolitischen Prägungen, unterliegen demzufolge aber oft den Machtstrukturen und verwährten Förderungen vom hegemonialen Machtblock/Staat.
Inhalte – sie beschäftigen eher unbekannte/regionale Künstler_innen oder Küstler_innen, in wessen Kooperationen systemkritische Aussagen getätigt werden können.
Publikum/Öffentlichkeit – sie sprechen verschiedene/viele kleinere Teilöffentlichkeiten an, durch die Varianz im Programmangebot, durch die kleinst möglichen öffentlichen Räume der Ankündigung (Plakate, Flyer, etc.), durch die Präsenz in freien Radios, etc. Sie arbeiten in Nischen und besetzen dort eigene Räume.
Repräsentationskultur
…alles, was dazu beiträgt eine ‚Elite’ mit Kunst und Kultur zu bedienen.
Die Repräsentationskultur ist, wie vom Namen abgeleitet werden kann, dazu da etwas oder jemanden zu repräsentieren. Meint damit die Sichtbarkeit nach Außen als auch nach Innen. Es ist wichtig auf der einen Seite für von außen blickende Bereiche/andere Städte/Länder etwas darzustellen, auf der anderen Seite auch die Elite, die High Society, mit namhaften Künstlern und Interpreten zu begeistern. Die Repräsentationskultur steht im Wettstreit auf der Vergleichsebene mit anderen Städten, Bundesländern und Ländern und durch die Konkurrenz mit anderen Museen oder Aufführungsorten und Künstlern_innen.
Bis heute ist es die am stärksten geförderte, etablierteste und angesehenste Art Kultur zu machen.
Grundfrage – Mit welchem Stück/Künstler_in können wir Bundeslandweit/Österreichweit/EUweit/… gutes Ansehen erlangen? Welche Künstler_innen sind gefragt/kommen gut an bei einem Publikum?
Ziel – Mit einem renommierten Künstler_in gut zahlendes Publikum anzulocken, gutes Programm für elitäre Gäste und Akteur_innen. Dabei gilt es traditionelle Kultur aufrecht zu erhalten und die bestehende Gesellschaftsordnung zu bestätigen.
Nachhaltigkeit – im Tourismus eine Wertung zu erlangen und ein Ansehen in der mächtigen Gesellschaft/Fördergebern.
Die Grundfragen und die Zielsetzung erfolgen auf kapitalistischen Grundlagen und sind gewinnorientiert.
Organisationsstruktur – Firmenähnlicher Aufbau, es gibt einen festen Satz dauerhaft angestellter Arbeitskräfte. Für die jeweilige Produktion werden noch bedarfsweise zusätzliche Hilfskräfte beschäftigt. Künstler_innen werden angeheuert und bezahlt – sie bekommen oft sehr hohe Gagen. Repräsentationskultur arbeitet profitorientiert.
Inhalte – bekannte Stücke/Kunstwerke, bekannte Künstler_innen; Künstler_innen, die repräsentative, aktuelle Inhalte über eine künstlerische Tätigkeit transportieren.
Publikum/Öffentlichkeit – ein eher elitäres Publikum oder jene, die so gesehen werden wollen. (oftmals befinden sich im Publikum in der Öffentlichkeit stehende Personen, Politiker, „wichtige“ Personen, es gilt sehen und gesehen werden!
Die Öffentlichkeiten sind vielfach: medial (Ankündigungen als auch Besuch von Premieren werden meist medial aufgearbeitet), räumlich (für mich gehören Theater, Museen, Galerien, etc. zum öffentlichen Raum), personell (die dort auftretenden Personen stehen oftmals schon im Licht der Öffentlichkeit).
Eventkultur – Spektakelkultur
…ist ein „kulturelles“ Ereignis, das zu einem Event/Spektakel gemacht wird, bzw. als solches verkauft wird (Bsp. Euro 2008, Musikfestivals). Sie bedienen Massen – im Sinne von eine „höhere“ Instanz füttert den Pöbel.
Obgleich Spektakelkultur wahrscheinlich nur der ältere Begriff ist, kann ich für mich Event- und Spektakelkultur nicht ganz als das gleiche definieren. Spektakelkultur bietet für mich zusätzlich die Möglichkeit sich durch Subversion (Bsp. Umkehrung der gesellschaftlich zugeteilten Rollen) zu entziehen: Alles ist erlaubt, ähnlich wie im Karneval nach Bachtin. Es passiert zwar alles in einem zeitlich abgesicherten Rahmen – Form und Ablauf sind vorgegeben, der Inhalt – das Verhalten der Einzelnen ist jedoch nicht kontrollierbar. Spektakel ist für mich mit mehr Interaktion verbunden, im Gegensatz zum Event, das viel restriktivere Regeln vorgibt.
Somit gehe ich im Folgenden eher auf Eventkultur ein:
Grundfrage – welche Künster_innen, Aktionen locken die meisten Menschen an? Wie kann möglichst viel Geld eingenommen werden?
Ziel – der wirtschaftliche Gewinn. Hoher Konsum der Besucher.
Nachhaltigkeit – ist nur auf wirtschaftlicher Basis/finanziell und das Prestige/die “Coolness“ unter dem meist jungen Publikum.
Organisation – Eventmanager sind für die Organisation und den Ablauf der Veranstaltung verantwortlich, beschäftigen für die Zeit zusätzliches Personal. Sponsoren sind große Geldträger, die die Veranstaltungen wiederum als große Werbefläche für ihre Kunden_innen nutzen. Vertrieb von Speisen und Getränken unterliegt oftmals nur der Eventorganisation und/oder der Verzehr wird in einem gewissen Maß „erzwungen“ (Bsp.: Festivals, keine Mitnahme von Getränken/Wasser!/Essen etc.)
Inhalte – verschiedene meist recht bekannte Künstler_innen, die für hohe Gagen eingekauft werden, diverse Möglichkeiten der Aktion und Partizipation.
Publikum – Es sind Massen, die hier angelockt werden, – das gemeine Volk. Der größte Teil wird sicher von jungen Menschen gebildet, prinzipiell ist es für alle Altersklassen und Interessensgruppen offen.
Öffentlichkeit – es wird/werden eine sehr breite Öffentlichkeit/~en angesprochen: Massen des Publikums, mediale Bewerbung im Vorfeld (Flyer, Radioberichte, Printmedienankündigungen, Internet, etc.) und die Berichterstattung im Nachhinein (Radioberichte, Printmedienberichte, Internet, etc.) Wissen einer breiten Öffentlichkeit, breiter Werbeträger für verschiedenste Firmen, etc.