Der Feminismus ist eine Theorie, die alle Bereiche des Menschlichen betrifft und den patriarchalen Gehalt aller kulturellen Hervorbringungen des Mannes bloßlegt und kritisiert. Luise Pusch, aus: Inspektion der Herrenkultur
Feministische Theorie ist keine einheitliche Theorie, in ihr finden sich vielmehr eine ganze Bandbreite politischer Richtungen und Ziele wieder.
Eine kurze Annäherung an die drei bekanntesten Strömungen:
Gleichheitsparadigma
Das Gleichheitsparadigma ist die erste und somit älteste Strömung innerhalb des Feminismus. Grundannahme ist, dass beide Geschlechter dieselben Rechte und Zugangschancen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens haben sollen. Zentral ist die These, dass wir nicht als Frauen geboren werden sondern durch die Gesellschaft dazu gemacht werden.
Kritik: starke Orientierung am männlichen Wertekatalog
Differenzparadigma
Ab Anfang der 70er wird das Gleichheitsparadigma stark kritisiert – es gehe nicht um Gleichheit innerhalb des bestehenden Geschlechtersystems, sondern um spezifische positive Merkmale von Weiblichkeit die zur Norm werden sollen – so soll eine gesellschaftliche Transformation erreicht werden, die sich nicht mehr an männlichen Normen und Werten orientiert. Wie im Gleichheitsansatz findet auch hier eine starre Verankerung des „Männlich-Weiblich-Gegensatzes“ statt.
Dekonstruktivismus – „Doing Gender“
Der dekonstruktive Feminismus geht davon aus, dass die Kategorie Geschlecht nicht existiert. Wir haben kein Geschlecht, wir können es maximal TUN.
Die Kritik am Dekonstruktivismus bezieht sich hauptsächlich darauf, dass die Dekonstruktion von Gender zwar grundsätzlich möglich ist, in der Realität aber schwierig umzusetzen ist, da Personen im Alltagshandeln ständig nach Geschlecht kategorisiert und beurteilt werden.
Unsere Welt ist in zwei Normen- und Wertekataloge geteilt. Für mich sind Feministinnen Frauen, die sich dessen bewusst sind und durch ihr Handeln diese Normen thematisieren und aufbrechen. Ziel des Feminismus kann nicht sein, all jenen Personen Vorteile zu verschaffen, die zufällig weiblichen Geschlechts sind, sondern die gesellschaftliche Behandlung des Frauseins zu verbessern, unter der einzelne Frauen heute als Frauen leiden.