Postkolonialismus

Die postkoloniale Theorie ist eine Theorie aus der Zeit nach dem Kolonialismus. Sie existiert unter anderem in Geschichtswissenschaft, Literaturwissenschaft und Politikwissenschaft. Postkolonialismus ist eine Kritik an der Kolonialgeschichte, eine kritische Analyse und Auseinandersetzung mit den Kolonialherrschaften, der Schwerpunkt liegt jedoch in der prozesshaften Beschäftigung mit den Nachwirkungen und Folgen der Kolonialisierung, diese wird nicht als abgeschlossene Epoche betrachtet.

Es geht darum, eigenes Wissen einzubringen, anzuerkennen und das europäische Wissen zu hinterfragen. Abgrenzungen und Verhandlungen zB zum Feminismus der „1. Welt“ spielen eine große Rolle bei der Diskussion um einen transnationalen Feminismus, der von vielen postkolonialen Theoretikerinnen geprägt wird.

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Eurozentrismus

Eurozentrismus bezeichnet ganz allgemein die Bezogenheit von unterschiedlichen Dingen (wie zB Wissen, Forschung) auf Europa – ohne Beachtung der Entwicklungen im selben Gebiet auf anderen Kontinenten (höchstens noch in Nordamerika). Außereuropäische Kulturkreise werden beruhend auf europäischen Werten und Normen beurteilt – der Eurozentrismus ist die Idee und Praxis der Höherwertigkeit europäischer bzw. westlicher Wertvorstellungen. Es steht also außer Frage, dass sie in rassistischen Überzeugungen wurzelt und die Legitimation zur Unterdrückung und Ausbeutung von nicht europäischen bzw. nicht-westlichen Kulturen und Gesellschaften darstellt. Diese Einstellung findet sich nach wie vor unhinterfragt in vielen Diskursen, Forschungsgebieten etc., zB dem „weißen“ Feminismus. Postkoloniale Debatten kritisieren den Eurozentrismus als Dominanzkultur.

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Symbolisches Kapital

Der Begriff stammt aus der Kapitaltheorie von Bordieu. Am ehesten ist er vergleichbar mit dem umgangssprachlichen Begriff „Prestige“. Symbolisches Kapital erhält seinen Wert durch die Anerkennung der unterschiedlichen Formen von Kapital. Bordieu unterscheidet vier Kapitalformen: das ökonomische, soziale, kulturelle und das symbolische Kapital. Das symbolische Kapital ist ein Zusammenwirken aller Kapitalsorten, es drückt sich in Prestige, Ruhm und Rang der AkteurInnen in der Gesellschaft aus. Kulturelles und soziales Kapital können durch Aufwendung von ökonomischem Kapital erworben werden, somit wird dem ökonomischen Kapital eine primäre Funktion zugewiesen. Die Kapitalformen haben aber je nach Positionierung einer Person oder Gruppe in der Gesellschaft unterschiedliche Bedeutungen.

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Selbstorganisation

Selbstorganisation bezeichnet einerseits Zusammenschlüsse, die keine juristische Person sind – also zB temporäre Projektgruppen, strategische Allianzen etc. – gegründet um ein klar definiertes, gemeinsames Ziel zu erreichen. Die Feststellung, dass Selbstorganisationen keine juristischen Personen sind, würde Vereine wie MAIZ ausschließen, die als Verein organisiert sind, sich selbst aber als SOM (Selbstorganisation von Migrantinnen) bezeichnen. Dieser Umstand führt zur Definition, dass Menschen sich dann zu einer Selbstorganisation zusammenschließen, wenn sie von denselben Ungerechtigkeiten betroffen sind und gemeinsam dafür arbeiten, diese zu beseitigen.

Bei Selbstorganisation von MigrantInnen geht es um „orientierte/orientierende Selbstvertretung – und nicht um eine (durch die Mehrheitsgesellschafter) institutionalisierte, oft gut gemeinte und die eigenen hegemonialen Mechanismen vergessende, Stellvertretung. Dieses Prinzip geht davon aus, dass die „Betroffenen“ am besten ihre Bedürfnisse kennen und Darstellungs- und Umsetzungsformen entwickeln können, welche Arbeitsfelder in Ökonomie, Bildung und Kultur aufschließen helfen. Die Unterstützung von aktiven Partizipationen in/durch SOMs können Machtgefälle zwischen Mehr- und Minderheiten reduzieren. „Migrantische Selbstorganisation als politische Handlung“, herausgegeben von der EQUAL-Entwicklungspartnerschaft „work in process“, 2005

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Partizipation

Anteil {m}; Beteiligung {f}; Engagement {n} http://dict.tu-chemnitz.de

In der Soziologie bedeutet Partizipation die Einbindung von Individuen in Entscheidungsprozesse. Gemeint ist also im weitesten Sinn aktive und gleichberechtigte Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen, Entscheidungsprozessen, politischen Organisationen und Strukturen etc – Partizipation kann unterschiedlichste Beteiligungsformen meinen und unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen betreffen. Partizipation sollte Grundvoraussetzung jeglichen gesellschaftlichen Lebens und die Basis für Mitsprache und –bestimmung sein. Im Kontext von Migration haben migrantische Selbstorganisationen diesen Begriff stark besetzt und diskutiert. In Linz hat MAIZ mit der Kampagne „NO INTEGRATION : PARTICIPATION“ das Ende des Integrationsbegriffs signalisiert, denn dieser „wird entweder als Anpassung verstanden oder aber als Akzeptanz der Andersartigkeit, nie jedoch als Partizipation“ (Daniela Schopf, Partizipation als ideale Form der Integration). Selbstorganisationen von MigrantInnen beschäftigen sich mit Fragen wie „kann Partizipation die Idee von „Integration“ ablösen?“, „was heißt Partizipation und welche Grundvoraussetzungen braucht sie?“, „wer partizipiert wo und in welcher Form?“.

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Queer

eigenartig, homosexuell, kauzig, kurios, merkwürdig, schwul, seltsam, sonderbar, verschroben, wunderlich http://www.freedic.net

eigenartig, seltsam, verdächtig, wunderlich, zweifelhaft http://www.dict.cc

Der Begriff ist im Englischen ein übliches Schimpfwort für Homosexuelle, im Sinn von Tunte, Schwuchtel, Homo aber auch für andere von heteronormativen Regeln Abweichende. Politische AktivistInnen mit den unterschiedlichsten Geschlechtern und sexuellen Orientierungen haben den Begriff für sich besetzt und so entstanden ein politischer Aktivismus und eine Denkrichtung, die unter diesem Schlagwort (Queer-Studies/Theories) Einzug in wissenschaftliche und universitäre Diskurse gehalten haben.

Schwerpunkt der Theorie bzw. der queeren Praxen ist die Auseinandersetzung mit den Kategorien Sex, Gender und Begehren. Unter Queer kann keine einheitliche Theorie verstanden werden, vielmehr ist es ein offenes politisches und theoretisches Projekt. Da „queer“ aus dem Englischen übernommen wurde und im Deutschen kein Schimpfwort ist, fehlt es im deutschsprachigen Raum an Brisanz des Begriffs.

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Gender

Der Begriff Gender wurde in den 50er-Jahren von dem amerikanischen Forscher John Money eingeführt, im Zuge der Einführung von Gender Mainstreaming ist er auch in unseren Breiten zu einem gängigen Begriff geworden. Der aus dem Englischen stammende Begriff wurde übernommen, um auch im Deutschen den Unterschied zwischen sozialem (gender) und biologischem (sex) Geschlecht benennen zu können. Ursprünglich nur auf das grammatische Geschlecht der Substantive bezogen, verweist der Begriff darauf, dass Geschlechtsidentität nicht angeboren, sondern sozio-kulturell durch diskursive Zuschreibung erworben wird (Gender, Metzler Lexikon, Gender Studies/Geschlechterforschung, 2002). Mit Gender sind die gesellschaftlichen Geschlechterrollen gemeint, die Vorstellungen und Erwartungen wie Frauen und Männer sind bzw. sein sollen. Die Geschlechterrollen können sich im Laufe der Zeit ändern und sind innerhalb und zwischen den Kulturen unterschiedlich.

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Feminismus

Der Feminismus ist eine Theorie, die alle Bereiche des Menschlichen betrifft und den patriarchalen Gehalt aller kulturellen Hervorbringungen des Mannes bloßlegt und kritisiert. Luise Pusch, aus: Inspektion der Herrenkultur

Feministische Theorie ist keine einheitliche Theorie, in ihr finden sich vielmehr eine ganze Bandbreite politischer Richtungen und Ziele wieder.

Eine kurze Annäherung an die drei bekanntesten Strömungen:

Gleichheitsparadigma
Das Gleichheitsparadigma ist die erste und somit älteste Strömung innerhalb des Feminismus. Grundannahme ist, dass beide Geschlechter dieselben Rechte und Zugangschancen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens haben sollen. Zentral ist die These, dass wir nicht als Frauen geboren werden sondern durch die Gesellschaft dazu gemacht werden.
Kritik: starke Orientierung am männlichen Wertekatalog

Differenzparadigma
Ab Anfang der 70er wird das Gleichheitsparadigma stark kritisiert – es gehe nicht um Gleichheit innerhalb des bestehenden Geschlechtersystems, sondern um spezifische positive Merkmale von Weiblichkeit die zur Norm werden sollen – so soll eine gesellschaftliche Transformation erreicht werden, die sich nicht mehr an männlichen Normen und Werten orientiert. Wie im Gleichheitsansatz findet auch hier eine starre Verankerung des „Männlich-Weiblich-Gegensatzes“ statt.

Dekonstruktivismus – „Doing Gender“
Der dekonstruktive Feminismus geht davon aus, dass die Kategorie Geschlecht nicht existiert. Wir haben kein Geschlecht, wir können es maximal TUN.

Die Kritik am Dekonstruktivismus bezieht sich hauptsächlich darauf, dass die Dekonstruktion von Gender zwar grundsätzlich möglich ist, in der Realität aber schwierig umzusetzen ist, da Personen im Alltagshandeln ständig nach Geschlecht kategorisiert und beurteilt werden.

Unsere Welt ist in zwei Normen- und Wertekataloge geteilt. Für mich sind Feministinnen Frauen, die sich dessen bewusst sind und durch ihr Handeln diese Normen thematisieren und aufbrechen. Ziel des Feminismus kann nicht sein, all jenen Personen Vorteile zu verschaffen, die zufällig weiblichen Geschlechts sind, sondern die gesellschaftliche Behandlung des Frauseins zu verbessern, unter der einzelne Frauen heute als Frauen leiden.

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Identitäten

In den letzten Jahren ist der Begriff „Identität“ ein stark diskutierter. Gerade im Kontext von Immigration hat er massiv Eingang in öffentliche Diskurse gehalten. Vorrangig durch das Empfinden von Bedrohungen und der Angst um einen möglichen Verlust der eigenen, nationalen Identität (Verlust von kulturellen „Eigenarten).

So gesehen wird der Begriff der Identität stark auf nationale/ethnische Zugehörigkeit reduziert, dabei wird außer Acht gelassen, dass „Identität“ (neben Informationen zur Identifizierung wie Name, Reisepass etc), ein ganzes Bündel an Eigenschaften und Rollen ist, das man vereint. Eine Fülle von persönlichen Komponenten macht die Identität von jemanden aus – diese Komponenten werden auch jeweils unterschiedlich wichtig bewertet: Erinnerungen, Werte, persönliche Fähigkeiten, Interessen, Berufsrollen, Geschlechtszugehörigkeit, gepaart mit unserer persönlichen Sozialisierung.

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Öffentlichkeiten

DIE Öffentlichkeit existiert nicht, es ist ein stetes Verhandlungs- und Spannungsfeld, ein Konstrukt

– die Verwendung des Plurals hier versucht dies deutlich zu machen. Öffentlichkeiten definieren sich über die Individuen die sie erreichen und Individuen wiederum definieren Öffentlichkeiten. Unsere Gesellschaft besteht aus verschiedensten Systemen und Kulturen, die alle ihre „eigenen“ Öffentlichkeiten mit eigenen Referenzsystemen haben. Wir alle queren und gestalten täglich verschiedene Öffentlichkeiten.
Der Begriff „Öffentlichkeit“ erscheint als eine etwas heikle Angelegenheit: Einerseits lässt sich deskriptiv darunter verstehen „alles, was nicht privat ist“, andererseits ist er normativ mit Erwartungen der Artikulation eines politischen Subjekts, eines genuinen politischen Willens der Beherrschten, verknüpft, zumindest für den kritischen Intellektuellen. Philip Hautmann, Gegen-Öffentlichkeiten blitzen nur für Momente auf, Versorgerin #0078

„In die Öffentlichkeit zu gehen“ bedeutet Meinungen kundzutun, publik zu machen. Man ist nicht an interner Reflexion interessiert, sondern an einer Teilhabe von möglichst vielen. Im Zusammenhang mit diesem Thema kommt man nicht umhin, zumindest kurz, den Begriff der „Gegenöffentlichkeiten“ zu thematisieren. Gegenöffentlichkeiten entstehen als Reaktion auf EINE Öffentlichkeit die einem nicht genügt. Aber auch Gegenöffentlichkeit ist ein sehr dehnbarer Begriff und er wirft die Frage auf, inwieweit nicht alle Öffentlichkeiten immer auch Gegenöffentlichkeiten sind.

Gerade in einem kapitalistischen System, das einen hohen Konsenszwang erzeugt, zum Beispiel über den Verkauf der Arbeitskraft oder der Angst, diese nicht anzubringen, kann gesagt werden, dass in diesem System der Wunsch nach Gegen-Öffentlichkeiten sehr groß ist. So ein System hat – in unseren Breiten – den Trick heraus, einerseits Druck zu machen, andererseits Entspannungen zu ermöglichen, also Freiheiten dem Individuum zu gewähren, die traumhaft sind. Daher sind – außer in revolutionären Situationen oder am Beginn des Entstehens revolutionärer Situationen – solche Gegenöffentlichkeiten immer auch systemimmanent. Franz Schuh, Gegen-Öffentlichkeiten blitzen nur für Momente auf, Versorgerin #0078

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Eventkultur-Spektakelkultur

Event: Veranstaltung {f}; Ereignis {n}; http://dict.tu-chemnitz.de

Während die Hochkultur nach dem subjektiven Empfinden der Bevölkerung für die Zukunft „bildet“, lebt Eventkultur im Hier und Jetzt („Jetzt will ich etwas sehen, fühlen und erleben“). Eventkultur ist gegenwartsbezogen und gleichermaßen personen- und sozialorientiert. Die Hochkultur wird vom Sockel geholt, aber nicht gestürzt; sie lebt weiter in der Eventkultur. […] Die Eventkultur hingegen hat sich weitgehend von den Idealen klassischer Bildung befreit und ist viel enger mit dem Alltagsleben der Bevölkerung verbunden. Horst W. Opaschowski, Jugend im Zeitalter der Eventkultur, aus: Politik und Zeitgeschichte, 2000

Begreift man ein Event als außergewöhnliches, punktuelles Ereignis kann praktisch alles ein Event sein, selbst das Haus- und Hoffest der KAPU. Die KAPU wäre ausgeschlossen wenn man Events rein in der Unterhaltungsbranche ansiedeln würde – kann man das? Mit der Repräsentationskultur gibt es Überschneidungen, undefinierbare Zwischenräume und Ausfransungen, denn Events haben sicher auch repräsentative Aufgaben (LinzFest der Stadt Linz, Events im Rahmen des Gedenkjahres 2005..) bzw. bedient sich die Repräsentationskultur der Eventkultur. Bei Events geht es um momentanes Erleben, einen konsumierbaren Mehrwert – was mich wieder dazu bringt, dass das Haus- und Hoffest der KAPU auch klar ein Event ist.

Spektakel: Krach {m}; Krawall {m}; Schlägerei {f}; Getue {n}; Schauspiel {n}; historische Aufführung

{f} http://dict.tu-chemnitz.de

Das Spektakel im Sinne von Guy Debord (1967 erschien sein Hauptwerk „Die Gesellschaft des Spektakels“).

„Das ganze Leben der Gesellschaften, in welchen die modernen Produktionsbedingungen herrschen, erscheint als eine ungeheure Sammlung von Spektakeln. Alles was unmittelbar erlebt wurde, ist in eine Vorstellung entwichen.“ Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967

„Für Debord war die Gesellschaft des Spektakels die moderne Gesellschaft schlechthin, in keiner Hinsicht natürlich, ein interessensbestimmtes Konstrukt, aber dessen ungeachtet unveränderlich vollständig: Realität erhebt sich mit dem Spektakel und das Spektakel ist real.“ Greil Marcus, Lipstick Traces, 1996

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Repräsentationskultur

Das Repräsentieren als das Abbilden von Etwas, grundsätzlich von etwas Idealisiertem – von Personen, Einrichtungen, Nationen. Die Repräsentation schafft ein Bild von dem was gezeigt bzw. gesehen werden soll. Neben recht klassisch, repräsentativen staatlichen Einrichtung die ein bestimmtes Bild/Identität von Österreich suggerien, geht es zunehmend um große, punktuelle Events. Als Beispiel möchte ich das „Gedankenjahr 2005“ anführen, hier wurde Repräsentationskultur mithilfe von Events und Spektakeln durchgeführt.

Die demokratische Repräsentationskultur unterscheidet sich nur wenig von der totalitären. In beiden Fällen geht es um eine möglichst wirksame Behübschung der jeweiligen gesellschaftlichen Oberflächen. In Demokratien sind diese Behübschungen einfach etwas komplexer angelegt. Helmut Ploebst, Bukarester Konzepte, 2007

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Initiative Kulturarbeit

Im Gegensatz zur Politischen Kulturarbeit ist Initiative Kulturarbeit nicht per se politisch. Für mich ist das grundsätzlich ein strukturell definierter Begriff, der Gegebenheiten beschreibt unter denen Kulturarbeit passiert. Initiativ handeln heißt eigenmotiviert, aus eigenem Antrieb heraus zu handeln. Abseits großer Strukturen und Organisationen. Initiative Kulturarbeit ist nicht „links“ oder „rechts“, es geht nicht um inhaltliche Orientierungen und Ausrichtungen sondern rein um die Rahmenbedingungen. Trotzdem hat sich der Begriff eher in einem linken Spektrum etabliert und ist für mich als solcher auch ideologisch so besetzt. Besser gesagt, ich glaube dass Initiative Kulturarbeit oft mit politischer Kulturarbeit verwechselt bzw in einen Topf geworfen wird.

Was ist Initiative Kulturarbeit? Hier zählen beispielsweise das Organisieren von Kulturveranstaltungen unterschiedlichster Sparten (Musik, Theater, Literatur, …), das Gestalten von Projekten mit gesellschaftlich wichtigen Themen, das Engagement für freie Medien mit offenem Zugang – und zwar innerhalb eines Vereins (oder auch anderer loserer Arbeitsgemeinschaften), großteils ehrenamtlich bzw. auf freiwilliger Basis. http://www.kupfakademie.at/kupfakademie

Die Funktion initiativer Kulturarbeit ist nicht nur Konsumangebote für ein passives, träges Publikum zu schaffen, sondern vor allem auch demokratiepolitische Akzente zu setzen: Initiative Kulturarbeit muß aktive Partizipation, politischen Diskurs und auch offene, kritische Auseinandersetzung fördern und unterstützen. Ansonsten wäre sie bloß Steigbügelhalter für die herrschenden Zustände – genauso wie die ÖVP für die FPÖ. http://www.gegenschwarzblau.net/ooe/inhalt/kanal.htm

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Politische Kulturarbeit

Politisch Kulturarbeiten heißt, das Feld mittels Kultur so aufzubereiten, dass politische Gedanken gedeihen können. Kulturarbeit ist dann politisch, wenn die AktivistInnen ihre Veranstaltungen, ihre Aktionen, ihr gesamtes Tun in einen gesellschaftlichen Kontext stellen, also die gesellschaftsverändernde Funktion ihres Tuns in den Mittelpunkt rücken. Die AktivistInnen sind dabei nicht an ökonomischem Benefit interessiert, sondern an der Durchsetzung eines alternativen Gesellschaftsbildes. Es geht um Inhalte, die transportiert/thematisiert/kritisiert werden sollen, um welche inhaltliche Ausrichtung lässt der Begriff allerdings offen. In unseren Kreisen wird Politische Kulturarbeit grundsätzlich als Arbeit innerhalb der linkspolitischen Sphäre verstanden.

Wenn sich Formen wie auch Inhalte politischer Kulturarbeit immer weniger vom Mainstream unterscheiden, wenn basisdemokratische Entscheidungsprozesse von professionellem Management abgelöst werden und den Programmschienen nicht mehr anzusehen ist, ob sie vom Museum moderner Kunst oder vom WUK konzipiert wurden, dann ist in Frage zu stellen, ob der Übertitel „politische Kulturarbeit“ per se bereits einen gegenhegemonialen Anspruch begründet. Elisabeth Mayerhofer und Monika Mokre, Wie politisch ist politische Kulturarbeit?, FOKUS 2004/01

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Kulturpolitik

Unter dem weiten Feld der Kulturpolitik verstehe ich die Beschäftigung auf politischer Ebene mit Kultur in all ihren Ausprägungen und Formen. Im Konkreten beinhaltet dies die staatliche Auseinandersetzung mit Kultur und die Aufrechterhaltung von Rahmenbedingungen, genauso wie das kulturpolitische Engagement von Einzelpersonen oder staatlich unabhängigen Gruppen.
Staatliche Kulturpolitik ist oft nur über das Ändern/Sichern/Schaffen von Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur präsent, Kulturpolitik hat aber „über die Sicherung der Rahmenbedingungen der Künstler/innen und Kultureinrichtungen hinaus – die Aufgabe, das diskursive Potential der Künste
für die Gesellschaft fruchtbar zu machen, indem sie gezielt das Subsystem Kultur und den Rest der Gesellschaft miteinander vermittelt. Aus dieser Grundidee ergeben sich einige Bestimmungen von Kulturpolitik, u.a. der Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik, als Politik der Anerkennung, als Gestaltung des Kulturellen, als aktivierende Diskurspolitik. (Max Fuchs, Wozu Kulturpolitik?, 2001)
Unter staatlicher Kulturpolitik sind unterschiedlichste Dinge zu verstehen – Förderpolitiken, personalpolitische Entscheidungen, genauso wie Events etc. Primär aber geht es um inhaltliche Auseinandersetzung mit Kultur und Gesellschaft – entscheidend ist, dass allen Entscheidungen auch immer Diskurse, Auseinandersetzungen voraus gehen. Warum werden bestimmte Förderungen an den Verein XY ausbezahlt, wie positioniert man sich wo, warum etc. Etwas das in Österreich und speziell auch in Oberösterreich definitiv fehlt – kulturpolitische Diskurse werden weder im Landtag noch vom Kulturreferenten geführt.

Jüngstes oberösterreichisches Beispiel für diesen Missstand ist das Kulturleitbild des Landes. „Es hätte angenommen werden können, dass über die Diskussion auch eine Änderung der kulturpolitischen Ausrichtung der Landespolitik passiert, oder zumindest Kulturpolitik im Landtag wieder Thema sein könnte. Ganz im Gegenteil aber verordnete sich das offizielle Oberösterreich mehr denn je ein kulturpolitisches Schweigejahr. Die Hülle Kulturleitbild stand ohnehin stellvertretend für die Auseinandersetzung. Diese Auseinandersetzung war aber keine Politische. Durch den Prozess des Kulturleitbildes wurde grundsätzlich – auch für die Beteiligten wahrnehmbar – festgehalten, dass Kulturpolitik in OÖ nur von der ÖVP gemacht wird. Kein/e PolitikerIn der/die nicht dem schwarzen Lager zuzurechnen wäre übernahm repräsentative Aufgaben in diesem Prozess. Damit wurde die Misere der oö Kulturpolitik, dass es hier nicht um politisches Ausverhandeln geht, deutlicher denn je. (Stefan Haslinger, Leitbilddemokratie!, KUPFZeitung 123/4/07).

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