der 1968 im gleichnamigen Essay erwähnte Begriff geht auf den frz. Kritiker und Philosophen Roland Barthes zurück. Darin räumt er mit der klassischen Vorstellung auf, der/die AutorIn sei der geistige Urheber von Texten und die Person, die den von ihr verfassten Text und seine Bedeutung kontrolliert. Ein Text ist immer auf andere Texte bezogen und existiert nicht in einem Vakuum (Intertextualität) und ist somit nicht mehr eindeutig im Sinnes des Autors entschlüsselbar.
Der Tod des Autors ist die Geburtsstunde des Lesers. Der Rezipient sei ein Raum, in den das „Gewebe von Zitaten“ eingeschrieben sei. Jeder Text konstituiert sich in jedem Leser neu, die Leerstellen im Text werden vom Leser mit Bedeutung aufgefüllt.
Barthes Diktum entstand gleichzeitig mit der sich in Deutschland Ende der 60er Jahre entwickelnden Rezeptionsästhetik (literaturheoretischer Ansatz, der sich bei der Interpretation von Texten erstmals auf die Rolle des Lesers konzentriert) und wurde einer der grundlegenden Texte des Poststrukturalismus. Allerdings gibt es eine Differenz zwischen Lebenspragmatik und theoretischem Anspruch wie der freien Kunstkritiker Raimar Stange griffig erklärt: „Natürlich ist es einerseits einfach zu sagen dass Copyright scheiße ist, eine bürgerliche Erfindung. Im Barock hat es das noch nicht gegeben, da gab es kein Subjekt, das Kopieren von Texten war genauso vollwertig wie das neue „Schaffen“ von Texten. Anderseits lebe ich vom Schreiben und wenn alle meine Texte abgedruckt werden, ohne dass ich einen Pfennig dafür sehe, kann ich nicht überleben. Da habe ich einen Widerspruch in mir selber entdeckt, zwischen theoretischem Formulieren á la Tod des Autors, Roland Barthes etc. und dem Fakt dass ich ein Autor bin der Geld kriegen muss um Miete, Klamotten und Whisky zu zahlen.“