Öffentlichkeit bezeichnet etwa im Griechenland des Aristoteles die Agora, den öffentlich zugänglichen Platz, an dem die Dinge betreffend der Polis, der Stadt (Stadtstaat), der Gemeinschaft der Freien Bürger – Frauen galten bestenfalls als Freie minderen Ranges und waren an der Beratung der Dinge der Polis ausgeschlossen – beraten und verhandelt wurden. Auf der Agora, bestimmten die Freien einen aus ihrer Mitte, der mit der Führung der öffentlichen Geschäfte betraut wurde, ein „Erster unter Gleichen“1
Frei waren aber nur all jene, die frei davon waren sich um den Haushalt, den Oikos, also die Hauswirtschaft, also ums materielle Überleben kümmer zu müssen. Das bedeutete auch, das Delegieren der Verwaltung etwa der Landgüter und des Haushaltes an andere.
Öffentlichkeit <> Haushalt (oikos) waren getrennte unterschiedliche Bereiche. Die Dinge der Öffentlichkeit, die Agenden der Polis hörten im Haushalt auf Wirksamkeit zu haben. Im Haushalt, waren die Besitzer die uneingeschränkten Herrschenden, über die SklavInnen und Arbeitenden. Der Dualismus Öffentlichkeit / Haushalt, zieht sich durch die Rechtsgeschichte bis in die Moderne.
Aber der Begriff Öffentlichkeit hat sich im laufe der Zeit gewandelt.
Schon das römische Forum ist eine andere Öffentlichkeit, als die Griechische Agora, die Reichweite der öffentlichen Dinge, Entscheidungen und Wirkungen war aber ebenso verschieden. Die Agora war Ort der öffentlichen Anliegen der Polis, des Stadtstaates, der Senat und das Forum Romanum, waren die Orte an denen Belange die das gesamte Imperium betrafen verhandelt und beschlossen wurden. Das Forum war schon viel mehr Ort der Repräsentation der Macht und Ort der einseitigen Kommunikation, Direktiven, Verlautbarungen und ähnliches wurden auf dem Forum veröffentlicht. Kontakt mit dem Senat gab es für die BürgerInnen von Rom hingegen nur im Rahmen öffentlicher Audienzen im Senat.
Später ändert sich das Verhältnis zwischen Öffentlichkeit <> Privatheit besonders im Zuge der „bürgerlichen Revolution“ und wahrscheinlich noch stärker mit der Industrialisierung.
Mit der sich entwickelnden bürgerlichen Schicht, und mit dem Aufkommen des positiven Rechts, erfährt die Öffentlichkeit verschiedene, gleichzeitige Veränderungen. Mit dem abgehen vom System des Gewohnheitsrechts und dem enstehen positiver, allgemeiner Rechtssysteme, mit der Schwindenden Macht der absolut Herrschenden Monarchen, entstehen, zwar geschlossene, aber gleichzeitig öffentliche, Zirkel und Clubs, so genannte Gesellschaften, in denen öffentlich Diskutiert wurde und die Anliegen der „Allgemeinheit“ debattiert wurden. Diese bürgerlichen Gesellschaften sind die Grundsteine der bürgerlichen Gesellschaft und deren dualen Denkens von Privatheit und Öffentlichkeit. Die Privatheit erfährt, die Besonderheit dadurch, dass sie die geraubte2, persönliche Sphäre ist, in der der Leviathan3, Staat, das öffentliche, gesellschaftliche Konstrukt und Rechtssystem Staat kaum bis keinen Einfluß hat. Im Privaten gelten die Vorstellungen der Bürger(Innen) das bürgerliche Recht regelt die Handlungen zwischen den Privatpersonen und das öffentliche recht, die Begegnung zwischen Staat und Privatperson.
Zeitgleich kristallisieren sich politische Gesellschaften, Clubs und Parteien heraus, die Privat organisiert, das öffentliche Diskutieren. Schon lange davor hat die Öffentlichkeit, eine starke Veränderung durch den Buchdruck erfahren, der öffentliche Raum wurde ausgedehnt, weil die Verbreitung von Schriften und Verordnungen einfacher wurde, aber auch, weil die Publikation, das Veröffentlichen von Ideen, Gedanken, Thesen etc… durch die technologische Reproduktion vereinfacht worden ist.
Medien haben Öffentlichkeit(en) verändert und geschaffen.
Im Zuge der Industrialisierung ändert sich das Verhältnis zwischen Privat und Öffentlichkeit(en) ein weiteres mal auf dramatische Weise. War zu Beginn des Aufstiegs des Bürgertums, die Produktion von Gütern und Werten nicht alleine in der Öffentlichkeit verortet, so tritt die Privatheit, gegenüber der Öffentlichkeit in den Hintergrund, weil gleichzeitig die Geldwirtschaft mit dem Kapitalismus stark an Bedeutung gewann und die Hauswirtschaft, als Sphäre des häuslich Privaten, in Bezug auf ihren Beitrag zum Auskommen der Menschen ins Hintertreffen geriet. Die Hauswirtschaft wurde zur Subsitenzwirtschaft, und abgewertet, gleichzeitig wurden damit auch die Frauen, die seit Generationen für die Hauswirtschaft zuständig waren, mit abgewertet, während, gleichzeitig die bürgerliche Privatheit zum warmen, kuschelweichen Ort, zur Zuflucht abseits des öffentlichen Jungels stilisiert wurde.
Frauen wurden in die Privatheit gedrängt, in ihr verortet und blieben damit von den öffentlichen
Beratungen über die Politik, über die allgemeinen Anliegen ausgeschlossen. Sowohl über den Weg, dass nur wer Geld verdienete und Steuerzahlende wahlberechtigt waren, als auch darüber, dass Ihr Fehlen in der Öffentlichkeit die Grundlage des Ausschlusses aus der politische Sphäre analog der im alten Griechenland darstellte. Das Fehlen wurde auch als fehlendes Interesse gedeutet und begründete des Ausschluss über die Bedingung von Interesse und Wissen für das Partizipieren an den öffentlichen Entscheidungen.
Stichworte:
Gesellschaften – politische zirkel – Öffentlichkeit(en), obwohl eigentlich private Clubs — bürgerliche Befreiung von Adel und Absolutismus der Monarchien…
Mit Industrialisierung Öffentlichkeit wieder versus Privatheit-..
Zusammenhang mit Gender und Feminismus / Determinismus. Mann öffentliche Sphäre, Geldwirtschaft / Frau privat, häuslich hauswirtschaftliche Sphäre – Subsitenztwirtschaft… versammelte private Leute bilden Publikum Öffentlichkeit Haberermas: Netz- Publikum – Public – Volk…“ res publica“ , Republik öffentliche Politik .. Medien….Staat – Sache der Öffentlichkeit – öffentliche Güter…öffentliche Meinung…. Konstrukt eines „Volkswillens“… Medienkontrolle.. Politik machen..
Öffentlichkeit <–> Zivilgeselschaft:
Hegemonialkämpfe, Verteidigung von Freiheiten, Vergesellschaftungen von Diskursen.. von unten nach oben – „grass roots organisations“ – Selbstorganisation, ziviler Widerstand zweite Regierung… Demokratie außerhalb dem Parlament..
1 Vgl. Hannah Arendt, „Vita Activa“ oder Vom tätigen Leben, S77f, Verlag Piper, München 1981
2 privare = rauben
3 Vgl Thomas Hobbes „Leviathan“ als omnipotenter, alles regelnder Staat, als absoultes Machtmonopol, als genereller Friedenserzeuger, durch absolute Entmachtung der privaten Individuen