Der Ausdruck Protest (lat.) bedeutet:
1. Protestor (spätlateinisch): öffentlich als Zeuge auftreten, beweisen; öffentlich aussagen, laut verkünden
2. Widerspruch, Einspruch und Demonstration/Kundgebung im privaten wie auch öffentlichen Bereich
3. Wechselrecht: die öffentliche Beurkundung einer vergeblichen Präsentation des Wechsels zur Annahme oder Zahlung . Der Protest wird auf dem Wechsel oder ein mit ihm verbundenes Blatt gesetzt. Er ist an Fristen gebunden, deren Versäumung zum Verlust der Ansprüche gegen Indossanten und Aussteller des Wechsels führt. Die Ansprüche gegen den Akzeptanten bleiben bestehen.
4. bezeichnet eine öffentliche Reaktion auf bestimmte Ereignisse oder Situationen: ursprünglich als Bekräftigung und Unterstützung von etwas, heute normalerweise als Ausdruck des Widerstands, der Weigerung und Gegnerschaft gebraucht. Protestierende versuchen, mit dem Protest, öffentlich und machtvoll, Einfluss ihrer Ansichten auf die öffentliche Meinung oder die herrschende Politik zu bewirken, oder in direkter Aktion Veränderungen selbst zu erzielen. Protest hat sich zum konventionellen Modus -im weitesten Sinne -politischer Partizipation entwickelt.
Beim Widerstand gegen das technische Großbauprojekt in der Nachbarschaft bis hin zur Systemtransformation spielt er eine wesentliche Rolle. Dementsprechend beschäftigt sich ein breites Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen mit sozialen Bewegungen und Protestpolitik. Die Protestbewegungen der 1960/70er Jahre rücken in die Aufmerksamkeit der historischen Wissenschaften. Dies zeigt sich an der gewachsenen Zahl von Neuerscheinungen und Tagungen zum Thema. In Soziologie und Politikwissenschaft gab es parallel zu den neuen sozialen Bewegungen ein verstärktes Interesse. Es wurde nach Ermöglichung und Folgen kollektiven Protesthandelns gefragt. Soziale Bewegungen wurden als Ausdruck gesellschaftlicher und politischer Wandlungsprozesse begriffen. In jüngster Zeit treten allerdings etliche zusätzliche Perspektiven auf Protest hinzu, die sich weder dem Parameter der “alten”noch der “neuen” sozialen Bewegung zuordnen lassen. Gerade jüngere Wissenschaftler interessieren sich für Protesthandeln aus Sicht der Diskursforschung, der Untersuchung transnationaler Zivilgesellschaft, als Kunst-, Medien-und Kulturwissenschaftler. Bei diesem Generationenwechsel zeichnen sich neue Perspektiven auf Protest und soziale Bewegungen ab.