“Es ist nicht der böse Geist, sondern die böse Geistlosigkeit der österreichischen Kulturpolitik.”
(Tagebuchnotiz des Autors Robert Musil)
Um Musils knappe Analyse in einer Schlussfolgerung für die Gegenwart anzuwenden, ist zunächst zu ergründen, inwieweit das Politische in der kulturellen Praxis von heute als Gradmesser der Politkultur Auskunft geben kann.
Unbestritten ist, dass politische Kulturarbeit sich als widerständige Ausdrucksform manifestieren muss. Schließlich bemisst sich, so ein Postulat des italienischen Theoretikers und Aktivisten Antonio Gramcsi, das Politische an sich an seinem Verhältnis zu Hegemonie. Gegenhegemoniale Konzepte werden somit für das Kunst-und Kulturschaffen konstitutiv. Auch Chantal Mouffe ist als renommierte post-marxistische Theoretikerin überzeugt: “Wenn die Bewegung eine wirklich politische werden und in den Lauf der Dinge eingreifen und ihn beeinflussen wolle, müsse sie sich in einer hegemonialen politischen Artikulation zwischen all den verschiedenen Kämpfen einbringen, den ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen. Das erfordert eine Definition des Gegners als Knotenpunkte der Macht, die angegriffen und transformiert werden müssen, um die Bedingungen für eine neue Hegemonie zu schaffen.” (Kulturrisse 0104, Februar 2004)
Der bloße Ruf nach der Freiheit der Kunst, eine der wichtigsten Prinzipien im Kampf gegen Faschismus und Diktatur, reicht heute mittlerweile schon nicht mehr aus, um die Gefahrenpotenziale zu beschreiben, die auch demokratischen Systemen innewohnen. Auch hier erzeugen die Knotenpunkte der Macht unentwegt Grenzen und Barrieren, die den freien Fluss der Information und der Ideen sowie die Interaktion in Netzwerken nachhaltig beeinträchtigen. Eine Gesellschaft – und damit auch ihre sozio -kulturellen Produktions-und Partizipationsbedingungen – kann nur als eine freie Gesellschaft angesehen werden, wenn die Mobilität der Menschen sowie der Austausch von Wissen und Information keine Beeinträchtigung erfahren. (Bernhard Amann und Martin Wassermair)