Gender

Der Begriff Gender konstituiert sich in Abgrenzung von und aufbauend auf die biologische Kategorie Geschlecht, die ab Mitte des 18. Jahrhunderts von der anthropologischen und medizinischen Wissenschaft verwendet wurde, um soziale Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern neu zu begründen und als naturgegeben festzuschreiben. Auch in feministischen Theorien wird Geschlecht als zentrale Strukturkategorie gesellschaftlicher Machtverhältnisse identifiziert, ohne die Natürlichkeit sozialer Ungleichheiten anzuerkennen. Der Gender-Begriff spiegelt diesen Wandel wider, indem er die soziale und historische Bedingtheit der gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse in den Vordergrund rückt und damit auch die emanzipatorische Forderung nach Chancengleichheit. In Zeiten fragmentarischer Identitätskonstruktionen wird der zentrale Stellenwert von Geschlecht, auch im Sinne von Gender, als zu stark vereinfachendes Erklärungsmodell gesellschaftlicher Wirklichkeiten problematisch, wenn andere zentrale biografische Aspekte unberücksichtigt bleiben. Neuere Ansätze der Identitätsforschung gehen in Richtung selbstreflektiver, temporärer Identitäten und erkennen die Differenz innerhalb von Identitäten an, ohne sich von Konzept der Identität und den implizierten gesellschaftspolitischen Forderungen gänzlich verabschieden zu müssen.

Veröffentlicht in Sylvia_N. Schlagworte: . 1 Kommentar »

Eine Antwort zu „Gender“

  1. andreame Sagt:

    Das auch gleich mit Identitätstheorie zu verknüpfen finde ich einen guten Ansatz.
    LG Andrea


Eine Antwort schreiben