Popularkultur ist wie ein Puzzle, das sich aus verschiedenen Praktiken, Codes und Effekten zusammensetzt, um sich stets selbst zu bestätigen und neu zu beschreiben, indem sie Randphänomene und Minderheit einverleibt und von sich weist, indem sie Probleme an den Rand drängt. (vgl. Grossberg, 1997, 3) Somit ist das Ziel von Popularkultur zu untersuchen wie unser tägliches Leben konstruiert ist und wie seine Subjekte gebildet werden.
Der Beginn von Popularkultur wird Mitte des 18. Jh.s angesiedelt, wenn sie nicht als Synonym für den Begriff der Volkskultur genommen wird. Mit popularkulturellen Medien sind zunächst einmal Zeitschriften gemeint, somit muss die eben gemachte Aussage teils wieder revidiert werden, da die Anzahl der Leser in dieser Zeit weitaus unterschätzt wurde. In Deutschland wird mit dem Zeitalter der industriellen Revolution von Popularkultur gesprochen. Denn erst ab der zweiten Hälft des 19. Jh.s, findet Popularkultur den für sie notwendigen Deutungsspielraum kultureller Phänomene, in der technischen Innovation und den neuen soziographischen Bedingungen. (vgl. Hügel, 2003, 5)
Der Kapitalismus ist eine Konsumkultur, die unsere westliche Gesellschaft strukturiert. Waren werden angeboten, zirkulieren. Mit dem Argument der Notwendigkeit, einer suggerierten Mangelhaftigkeit auf Seiten des Käufers und dem Ziel der größtmöglichen Zufriedenheit, werden Texte geliefert aus denen Bedeutung gezogen werden sollen. Diese Bedeutung kann zwischen Anbieter und Rezipient variieren. Die Ressourcen, mit denen die Texte geliefert werden, sind Fernsehen, Computer- und Videospiele, Schallplatten, CDs, Kleidung, Sprache etc., die dabei die die Interessen der ökonomisch Herrschenden fördern.
und fördern dabei die Interessen der ökonomisch Herrschenden.
Ein Text ist in diesem Zusammenhang nicht auf die Literatur zu beschränken, sondern als produktiver Anknüpfungspunkt in der Information/Aussage der Ware, zu verstehen, mit Hilfe dessen eigene Texte produziert werden können. Waren, die keine Möglichkeiten beinhalten eigene Texte zu produzieren, keine Form von Wissen vermitteln, werden nicht populär, das heißt, die Popularkultur existiert nicht in den Texten, sondern in der Zirkulation dieser.
In der Bedeutungsproduktion werden Objekt (die Waren) und Subjekt (der sich mit einem Text/Ware identifizierende Rezipient) ins Verhältnis zueinander gesetzt. Dieser Prozess des sich Identifizierens – der Subjektwerdung, ist lustvoll und produziert Wissen. Wissen bedeutet Macht! Macht kursiert in der Produktion von Wissen.
Es können verschieden Lüste unterschieden werden: die ausübende/disziplinierende (vom Steuerzahler) und die befreiende/undisziplinierte im Vergnügen und Spiel. (Ich werde mich mehr mit letzterer Form beschäftigen.)
Die Industrie setzt dort an, wo die Dominanz am unsichersten ist. Auch wenn hier die Macht der Ökonomie nicht spürbar ist, so werden wir und unsere Lüste stetig von der herrschenden Macht kontrolliert, durch ein System der Symbole von Regeln und Gesetzen, die ein Verhalten vorschreiben. Das heißt, wenn Hügel davon spricht, dass die Popularkultur keine Kultur des Zwangs ist, sondern Rezeptionsfreiheit bietet, dann ist es gleichermaßen eine Grundvoraussetzung für ihr Gelingen, wie eine bedingte Lüge! Einerseits wird dem Rezipienten die Wahl vermittelt, sich die Waren selbst auszusuchen und die Bedeutung, die er ihnen entlehnt selbst mitzubestimmen, andererseits kann dies immer nur im Rahmen der hegemonialen Machtstruktur geschehen. Somit kann es passieren, dass ein Punkt erreicht wird, an dem das Soziale oder das Populäre, das Eine das Andere überstrahlt, so dass es nicht mehr gesehen werden kann!
Von Popularkultur kann mensch keine großen revolutionären Akte erwarten, jedoch dienen sie dazu, die Gesellschaft unterschwellig „auszuhöhlen“, d.h. in kleinem Maße zu verunsichern und an den vorgegebenen Strukturen zu rütteln.
Jede Popularkultur kann also nur im Verhältnis zu den herrschenden Machtapparaten gesehen werden, da sie erstens nur in diesem Rahmen geäußert werden kann und zweitens nur in einer Verbindung zur hegemonialen Ebene politische Veränderungen bewirken kann. Popularkultur ist immer im Werden, niemals statisch und bildet den Ausgleich zur Dominanzkultur. Sie wirkt subtil von unten nach oben, im Gegensatz zur von oben nach unten wirkenden hegemonialen Macht und ist gleichzeitig Produkt dieser, als auch Feind. Popularkultur existiert allein in ihrer Praxis.
Das Ziel ist es, Wissensströme, auch auf horizontaler Ebene austauschbar zu machen, da diese schwerer zu kontrollieren sind, von heteronormativen Festschreibungen. Somit scheint unser System viel anfälliger für Guerilla-Anschläge zu sein.
Popularkultur ist eine Kultur der anfänglich unterdrückten und minderbemittelten Gruppen, eine Form des persönlichen Ausdrucks innerhalb der Gesellschaft.