Migration und Fußball

Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt verlassen ihre Heimat, um ihren Lebensmittelpunkt an einen anderen Ort zu verlegen. Mehr als 150 Millionen Menschen weltweit leben als Migranten in einem Staat, der nicht ihre ursprüngliche Heimat ist. Dies entspricht etwa der doppelten Bevölkerungszahl der Bundesrepublik. Internationale Migration geht aus von Menschen, die ihre Familien zusammenbringen möchten, von hoch ebenso wie niedrig qualifizierten Arbeitsmigranten sowie von Asylbewerbern und anderen Flüchtlingen. Einige wollen nur für kurze Zeit an einem fremden Ort bleiben, andere für mehrere Jahre oder gar den Rest ihres Lebens. Staaten haben immer wieder versucht, Migration durch Gesetze zu steuern.
Anlässlich der Fussball-Europameisterschaft die heuer in der Schweiz und Österreich stattfand habe ich mich etwas näher mit der Thematik Migration und Fußball auseinandergesetzt.
Fußball und Migration sind nicht zu trennen. Das Spiel wurde von den Briten in die ganze Welt getragen, bzw. von Menschen die nach England gegangen und dann wieder nach Hause zurückgekehrt sind.
Migranten werden im Sport martialisch Legionäre genannt. Seit Jahrzehnten prägen sie den österreichischen Fußball mit, genauso wie österreichische Kicker im Ausland Karriere gemacht haben, hier seien nur Krankl, Prohaska oder Polster erwähnt. Seit 1945 haben über 1100 Spieler nicht-österreichischer Herkunft in der höchsten österreichischen Spielklasse gekickt.
Insgesamt sind die Forscher auf über 1.100 Spieler nicht-österreichischer Herkunft gestoßen, die seit 1945 auf den Plätzen der heimischen Bundesliga (früher auch Staatsliga oder Nationalliga genannt)spielten.
Der Anteil der Legionäre entsprach lange Zeit ungefähr dem Prozentsatz von Migranten in der Gesamtbevölkerung, ehe er sich durch liberalere Zugangsregeln zum Arbeitsmarkt („Bosman- Urteil“) noch erhöhte.
Und auch Ausländerfeindlichkeit ist auf den Rängen der Stadien leider noch immer ein Thema, besonders die hartgesottenen Fans, die „Ultras“ fallen immer wieder durch rassistische Äußerungen auf. Zwar sind die Zeiten als z.B. der ehemalige LASK-Star Carlos Lima alias Chico, das brasilianische Fußballwunder, der 1963 zum LASK kam,1965 mit den Schwarzweißen Meister wurde, ganz offen auch in den Medien als Murli oder Negerl bezeichnet wurden vorbei, aber gerade bei Niederlagen werden Fußballmigranten gerne als Sündenböcke hingestellt. Gerade die Leistungen der großen europäischen Clubmannschaften wären heute ohne Fußballlegionäre undenkbar.

Quelle: Legionäre am Ball, Barbara Liegl und Georg Spitaler, Braumüller – Verlag 2008

Veröffentlicht in Leo_S. Schlagworte: . 1 Kommentar »

Eine Antwort zu „Migration und Fußball“

  1. linsi Sagt:

    zu diesem thema kann ich auch noch den ballesterer nr. 27 „geflüchtet, zugewandert, hier geboren“ und den ballester nr. 32 „transfers“ empfehlen. (das ballesterer fm ist eine österreichische fan zeitung von und für fussballfans: http://www.ballesterer.at)
    bei vielen weiteren sportarten kann man migrationsbewegungen mitverfolgen. sehr interessant ist zum beispiel, dass die „deutsche“ sportart faustball ausserhalb des deutschen sprachraums noch z.b. in argentinien, brasilien, paraguay(…) und namibia stark praktiziert wird. in diese länder kam faustball vor allem nach dem 2. weltkrieg, als ehemalige nationalsozialistInnen begannen, dort unterzutauchen (ausser namibia, welches lange zeit deutsche kolonie gewesen ist!)


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