Ich habe beschlossen bei dem Wort Identität eine kleine Aneinanderreihung vorzunehmen, weil ich verschiedene Komponenten als wichtig empfinde, die nicht unbedingt in einen einzigen Zusammenhang miteinander gesetzt werden können.
Identität ist für mich ein weitläufiger Begriff und hängt sehr von meiner persönlichen Festlegung ab. Theoretisch hat jeder Mensch eine Identität, die ein fester Bestandteil seiner selbst ist. Einen Teil, einen Kern, der ein Kind ausmacht, der Kinder handeln lässt, noch relativ unbelastet von möglichen Erziehungs- und Sozialisationsmaßnahmen, den glaube ich als unabdingbar und unveränderbar. Der Rest ist veränderbar, wandelbar.
Valerie ist keine Biene
Valerie (5) stand am Mittwoch unmittelbar vor ihrem ersten großen Kostümfest. Ferner stand sie unmittelbar vor dem Spiegel und konnte ihr Glück nicht erkennen. „Ich schau aus wie eine Biene“, bemerkte sie weinerlich. „Schatzilein, du bist auch eine Biene, du bist sooo hübsch!“, tröstete Mama. Dann ging’s Schlag auf Schlag. Valerie (zornig): „Ich bin keine Biene, ich bin ein Mensch!“ M: „Das ist ja auch nur eine Verkleidung.“ V: „Ich will aber keine Biene sein!“ M: „Willst du lieber eine Prinzessin sein? Oder eine Sängerin? Vielleicht die Christl Stürmer?“ V: „Ich kann gar nicht die Christl Stürmer sein, weil die Christl Stürmer ist selbst die Christl Stürmer!“ M: „Aber wir können dich als Christl Stürmer verkleiden.“ V: „Warum?“ M: „Weil, weil, weil – das lustig ist.“ V: „Ich will aber die Valerie sein!“ M: „Schatzilein, egal, wie du dich verkleidest, du bleibst immer die Valerie!“ V: „Ich will mich aber nicht verkleiden!“ In diesem Moment betritt der Papa den Raum, sieht sein Kind und sagt bestürzt: „Valli, wie schaust denn du aus?“
Vielleicht sollte man Fasching einmal ernsthaft überdenken, und zwar nicht erst am Aschermittwoch.Dag, 2005, 1
Verwaltungsrechtlich ist es ein Name, „ein“ biologisches Geschlecht (Mann oder Frau), ein Geburtsdatum, ein Fingerabdruck, vielleicht eine Versicherungsnummer… auch jene sind veränderbar, wenn auch fast ausschließlich auf illegalem Wege.
Identität in einer Kultur ist ein Produkt der Sozialisation, der Regeln und Gesetze, der Moralvorstellungen und Ansehen bringenden Interpretationen, hervorgerufen durch die hegemonialen Machtapparate und dem Individuum selbst. Es/jedermensch lässt sie zirkulieren, in dem es/er/sie diese annimmt, sich darin bewegt und sie weitergibt an die nächste Generation. Dies geschieht im ständigen Austausch mit der Umwelt.
Laut Brockhaus beschreibt sie die völlige Übereinstimmung einer Person oder Sache mit dem, was sie ist oder als was sie bezeichnet wird. (vgl. Brockhaus, 1998, Bd. 6, 361) Identität ist also nicht nur ein eigenes Verständnis von etwas, sondern etwas, als das mensch bezeichnet wird, eine Fremdbestimmung! Mensch ist ein Abbild von einem Verständnis, das mit seiner eigenen Auffassung über sich selbst übereinstimmen kann, aber nicht muss; mathematisch ausgedrückt ist es „eine Abbildung, die jedes Element auf sich selbst abbildet.“ (Solange ich die gesellschaftliche, meiner eigenen Individualität womöglich konträr verlaufenden, Rolle annehme und abbilde.)