Gender wurde aus dem Englischen übernommen, heißt Geschlecht und wird heute in der westlichen Kultur als kulturelles Geschlecht, im Gegensatz zum biologischen /anatomischen Geschlecht/-stmerkmal (sex) definiert. Gender äußert sich im Habitus, in tertiären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, zum Beispiel in der Körperhaltung, Kleidung, etc. – meint damit ein Hinweisen auf die binär festgesetzten Geschlechterrollen von Mann und Frau (was nicht zwangsläufig mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmen muss!). (Das kulturell geprägte Geschlecht hängt immer von den in der Gesellschaft geforderten oder festgelegten Merkmalen ab, somit können Andernorts nicht nur ganz andere Anzeichen für Mann/Frau gesehen werden, sondern auch mehrere Geschlechterrollen gelebt werden.)
Der Begriff wurde 1955 von dem amerikanischen Forscher John Money eingeführt.
Das Zehn-Fragen-Gender-Spiel:
Ich will im Folgenden zu einem Spiel einladen, dass für mich ein lustiger Exkurs ist, sich darüber bewusst zu werden, was alles -in „unserer“1 Kultur- zur sozialen Konstruktion von Gender gehört oder gehören kann, in diesem Fall zu männlich und weiblich2.
Die Spielregeln habe ich von Kessler/McKenna übernommen.
Anleitung: Es sollten sich mindestens zwei Teilnehmer_innen bereit finden an diesem Spiel teilzunehmen. Teilnehmer_in A überlegt sich eine Phantasieperson im Kopf und Teilnehmer_in B muss erraten, ob es sich um eine männliche oder weibliche Person handelt. Es werden mindestens zehn Fragen gestellt. Es darf jede Frage gestellt werden, die mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten ist, außer: „Ist diese Person männlich/weiblich?“. Nach jeder Antwort, die Teilnehmer_in A gibt muss Teilnehmer_in B eine geschlechtliche Einordnung vornehmen und diese begründen.
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Zusatzwissen nur für Teilnehmer_in A: Es gibt gar keine überlegte Phantasieperson. Die Antworten setzen sich aus einem vorher festgelegten Ja-Nein-Muster zusammen, wichtig ist hierbei nur, dass sich am Beginn „Ja“ und „Nein“ abwechseln, so dass es, sollte jemand sofort nach den Genitalien fragen, Sinn für den Fragenden ergibt.
„Jede Geschlechtsdarstellung kann als Illusion bezeichnet werden, nicht nur die, die angeblich nicht mit dem Körper übereinstimmt. Der Unterschied ist nur, dass bei den „herkömmlichen“ Darstellungen fast alle mitspielen.“(Beger, 2002, 57)
1 …der konstruierten westlichen Sozialisation unterliegenden Welt.
2 „männlich/weiblich“ als die kulturelle Konstruktion Gender im Gegensatz zu Mann/Frau die hier mit dem biologischen Geschlecht Sex begründet werden.
Samstag, 14. Juni 2008 um 21:20
Liebe Nicole! Eine taffe, kompakte Begriffsbestimmung – die einiges zum Nachdenken mitgibt. Das Spiel finde ich äußerst interessant, weil es in narrativer Form nocheinmal die Brüchigkeit der herkömmlichen Zuschreibung Mann/Frau deutlich macht.
LG Andrea